Das Bündnis
Wir sind auf dem Weg. Weltweit besser werden.

SDG Mapping

Die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen sind für die Textil- und Bekleidungsindustrie von großer Bedeutung und in den Anforderungen des Textilbündnisses verankert.

2015 beschlossen die Vereinten Nationen die Sustainable Development Goals (SDG; Ziele für nachhaltige Entwicklung). Sie setzen weltweit einheitliche Prioritäten und Ziele einer nachhaltigen Entwicklung bis 2030. Zudem rufen sie Regierungen, Wirtschaftsunternehmen und die Zivilgesellschaft zum Handeln auf. Diese sollen sich dafür einsetzen, im Rahmen der Grenzen unseres Planeten Armut zu beseitigen und allen Menschen ein würdevolles und chancenreiches Leben zu ermöglichen. Der Erfolg bei der Umsetzung ist nicht allein abhängig vom Engagement der Regierungen, sondern maßgeblich vom Handeln und der Zusammenarbeit aller Akteure. Ganz explizit sollen dabei Unternehmen ihr Innovationspotenzial und ihre Wirtschaftskraft nutzen, um die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung zu meistern.

Die SDG decken das gesamte Spektrum der nachhaltigen Entwicklung ab, von Armutsbekämpfung und Gesundheitsvorsorge, Gleichberechtigung und Beteiligung, vom Klimawandel und Meeresschutz über nachhaltiges Produzieren und Konsumieren bis hin zu Frieden und übergreifender Kooperation. Diese Themen sind auch für die Textil- und Bekleidungsindustrie von großer Bedeutung und in den Anforderungen des Textilbündnisses verankert.

Ziel 1: Keine Armut

Weltweit leben mehr als 780 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Auch Arbeit schützt leider nicht immer vor Armut. Fast 10 Prozent der Menschen, die einer Arbeit nachgehen, haben weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung – zu wenig, um sich und ihre Familien ausgewogen zu ernähren oder ihren Kindern Bildung zu ermöglichen. Auch in der Textilindustrie arbeiten viele Menschen für Löhne, von denen sie kaum leben können.

Kein Unternehmen, keine Gewerkschaft, keine Regierung kann dieses Problem alleine lösen. Damit die Löhne, die in der Textilbranche gezahlt werden, tatsächlich zum Leben reichen, müssen alle an einem Strang ziehen und dafür sorgen, dass Arbeiter*innen sich organisieren und angemessene Löhne verhandeln können. Gleichzeitig müssen Korruption und Ausbeutung unterbunden werden. Alle Mitglieder im Bündnis für nachhaltige Textilien müssen konkrete Maßnahmen umsetzen oder sich an einer Initiative beteiligen, die auf die Zahlung existenzsichernder Löhne für Beschäftigte in Produktionsländern abzielt. Die Bundesregierung, Verbände, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften müssen diese Ziele in politischen Gesprächen adressieren.

Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen

Gute Gesundheit und Wohlbefinden sind leider keine Selbstverständlichkeit: Noch immer sterben weltweit über 5 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. Noch immer überleben zu viele Frauen die Geburt ihrer Kinder nicht. Und noch immer beeinträchtigen simple Krankheiten die Lebenserwartung vieler Menschen in Entwicklungsländern, da sie keinen Zugang zu Impfungen, Medikamenten oder sauberem Trinkwasser haben.

Die Herstellung von Textilien benötigt nicht nur sehr viel Wasser, es kommen auch in großen Mengen Chemikalien zum Einsatz. Nicht selten sind dabei gefährliche Chemikalien im Spiel, die die Gesundheit der Arbeiter*innen erheblich beeinträchtigen können. Insbesondere beim Färben und Ausrüsten der Stoffe werden für 1 Kilogramm Textil bis zu 1,5 Kilogramm Chemikalien eingesetzt. Das Bündnis für nachhaltige Textilien arbeitet unter anderem daran, das Chemikalien- und Umweltmanagement in der Lieferkette zu optimieren. So müssen Marken, Handel, Hersteller und die Bundesregierung Produzenten dabei unterstützen, die ordnungsgemäße und umweltgerechte Betriebsführung in ihrer Lieferkette zu verbessern. Alle Mitglieder haben sich auf eine Liste von Chemikalien geeinigt, die im Produktionsprozess nicht mehr verwendet werden sollen. Diese Manufacturing Restricted Substances List (MRSL) orientiert sich an den Vorgaben der international anerkannten Initiative Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) und wird mit entsprechenden Begleitinformationen an alle Produzenten und Geschäftspartner kommuniziert.

Ziel 5: Geschlechtergleichheit

Fast jede fünfte Frau, darunter auch Minderjährige, war in den letzten zwölf Monaten physischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt. In 49 Ländern gibt es keine Gesetze, die sie vor dieser Gewalt schützen. Und wo Gesetze gelten, fehlt es oft an ihrer Durchsetzung. Frauen und Mädchen sind häufig fremdbestimmt: Beispielsweise werden 750 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. In 18 Ländern können Ehemänner ihre Frauen legal daran hindern, eine offizielle Arbeitsstelle anzutreten. Zudem übernehmen Frauen oft Arbeit, die gar nicht oder schlecht bezahlt ist – nicht selten sind sie Gefahren am Arbeitsplatz ausgesetzt.

In der Textilindustrie arbeiten rund 75 Millionen Menschen weltweit – der Großteil davon ist weiblich. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, wie sie das Bündnis für nachhaltige Textilien anstrebt, kommt deshalb auch der Geschlechtergleichstellung zugute. Marken, Handel, Hersteller und die Bundesregierung verpflichten deshalb alle Produzenten und Geschäftspartner, die sozialen Bündnisziele einzuhalten. Die Bündnisinitiative Tamil Nadu hat beispielsweise zum Ziel, die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie im südindischen Tamil Nadu systemisch zu verbessern und insbesondere die Situation von Frauen und Mädchen in Spinnereien sozialverträglicher zu gestalten. Ein Schulungsprogramm soll die geplante Einrichtung von Beschwerdestellen in 300 Fabriken begleiten und Arbeiter*innen wie Management über Arbeitsrechte und Beschwerdemechanismen informieren.

Ziel 6: Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen

Wasser ist lebensnotwendig für alle Menschen, Tiere und Pflanzen auf diesem Planeten. Dennoch leben 2,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser und jeder dritte Mensch hat keinen Zugang zu Sanitäreinrichtungen. Ohne Wasser und Hygiene können sich Krankheiten besonders schnell verbreiten – eine tödliche Gefahr vor allem für junge Kinder. Das SDG 6 zielt deshalb darauf ab, die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser- und Sanitärversorgung für alle zu gewährleisten. Unterziel 6.3. fokussiert dabei die Verbesserung der Wasserqualität durch Verringerung der Umweltverschmutzung, Minimierung der Freisetzung gefährlicher Chemikalien, Halbierung des Anteils an unbehandeltem Abwasser und Steigerung der sicheren Wiederverwendung weltweit.

20 Prozent der industriellen Wasserverschmutzung weltweit entstehen durch die Textilbearbeitung. Das Abwasser aus der Textilindustrie enthält oftmals giftige Substanzen, die ungefiltert in Flüsse und andere Wasserquellen geleitet werden. Dies ist äußerst schädlich für die Gesundheit der Tiere und Menschen, die in und an diesen Flüssen leben. Deshalb setzen sich die Mitglieder des Textilbündnisses für ein ökologisch-nachhaltiges Abwassermanagement und für die Vermeidung giftiger Chemikalien in der Produktion ein. Dabei orientieren sich die Mitglieder an der Manufacturing Restricted Substances List (MRSL) der Initiative „Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC)“, einer Liste gefährlicher Chemikalien, die nicht oder nur in definierten Konzentrationen verwendet werden dürfen. Außerdem unterstützen sie Produzenten dabei, ein ordnungsgemäßes und umweltgerechtes Abwassermanagement zu etablieren. So werden nicht nur die Flüsse sauberer ─ auch die Menschen, die in den Fabriken arbeiten und in der Nähe leben, sind den Gefahren nicht mehr ausgesetzt.

Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Voraussetzung für nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum sind genügend Beschäftigungsmöglichkeiten, die eine menschenwürdige Arbeit erlauben. In der Textil- und Bekleidungsbranche arbeiten weltweit rund 75 Millionen Menschen, die meisten von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Vor allem in Asien sind durch die Textilproduktion Millionen von Arbeitsplätzen entstanden. Die Bedeutung des Textilsektors für Wirtschaftswachstum und Entwicklung ist riesig. Jedoch entsprechen in manchen Ländern die Produktions- und Arbeitsbedingungen noch nicht den international definierten Arbeits- und Sozialstandards. Häufig sind die Arbeiter*innen in der Textilproduktion mit mangelnder Gebäudesicherheit, gefährlichen Arbeitsbedingungen, zu niedrigen Löhnen sowie unbezahlten Überstunden konfrontiert.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien hat eine Reihe von sozialen Bündniszielen definiert, die auf den Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) basieren. Dazu zählen unter anderem Vereinigungsfreiheit, Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Mitglieder müssen all ihre Produzenten und Geschäftspartner zur Einhaltung der sozialen Bündnisziele verpflichten. Darüber hinaus haben sich die Mitglieder dazu verpflichtet, ein Verfahren zum Umgang mit Fällen von Kinder- und Zwangsarbeit zu etablieren.

Ziel 10: Weniger Ungleichheiten

Reichtum ist auf der Welt ungleich verteilt: Dem reichsten Prozent der Weltbevölkerung gehört 45 Prozent des globalen Reichtums. 2018 besaßen 26 Menschen genauso viel wie die 3,8 Milliarden Menschen, die die ärmste Hälfte der Menschheit ausmachen. Diese wachsende finanzielle Ungleichheit führt häufig zu sozialer Diskriminierung und gefährdet die gesellschaftliche Stabilität.

Ungleichheit findet sich auch in der Textilindustrie wieder: Während Unternehmen Profite machen, sind die Arbeiter*innen gezwungen für Löhne zu arbeiten, die kaum ausreichen, um sich und ihre Familien zu ernähren. Existenzsichernde Löhne sind seit der Gründung ein zentrales Anliegen des Textilbündnisses und seit 2019 auch als verpflichtendes Ziel verankert. Alle Mitglieder müssen an einer Maßnahme mitarbeiten, die darauf abzielt, Beschäftigten in Produktionsländern existenzsichernde Löhne zu zahlen. Darüber hinaus soll die Bündnisinitiative Existenzsichernde Löhne unter anderem Ansätze zur Lohnsteigerung in Produktionsländern unterstützen. Durch existenzsichernde Löhne können die Arbeiter*innen in der Textilindustrie nicht nur die Lebensgrundlage für sich und ihre Familien sichern, sondern ihre Kinder auch zur Schule schicken und ein wenig Geld für Notfälle beiseitelegen. So können soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten nachhaltig abgebaut werden.

Ziel 12: Nachhaltige/r Konsum und Produktion

Die Menschheit verbraucht weit mehr Ressourcen als die Erde bietet. Das Global Footprint Network hat errechnet, dass 3,2 Erden nötig wären, wenn die gesamte Weltbevölkerung so leben würde wie die Menschen in Deutschland. Setzt man die Lebensweisen in Australien und den USA als Maßstab, wären es sogar fünf Erden! Der Wandel zu einer Wirtschafts- und Lebensweise, die die natürlichen Grenzen unseres Planeten respektiert, ist also überfällig, kann aber nur dann gelingen, wenn wir unsere Produktions- und Konsumweisen umstellen. Dies gilt auch für Textilien, denn der Textilsektor zählt zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Sektoren bei steigendem Konsum.

Das Textilbündnis setzt sich aktiv für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster ein. Um letztere zu fördern, hat das Bündnis unter anderem Leitfäden zur Beschaffung nachhaltiger Baumwolle und zur Vermeidung giftiger Chemikalien veröffentlicht. Alle Mitglieder des Textilbündnisses sind außerdem dazu verpflichtet, Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung zu nachhaltiger Textilproduktion durchzuführen. So schulen Unternehmen zum Beispiel ihre Lieferanten. Zivilgesellschaftliche Organisationen starten Verbraucherkampagnen, um Konsument*innen über nachhaltigen Textilkonsum zu informieren und so das öffentliche Bewusstsein für die Umweltauswirkungen der Textilproduktion zu stärken.

Ziel 15: Leben an Land

2,6 Milliarden Menschen leben weltweit von der Landwirtschaft. Wälder beheimaten über 80 Prozent der Lebewesen der Erde. Dennoch verliert die Menschheit jährlich große Wald- und Ackerflächen und damit nicht nur Artenvielfalt, sondern auch menschliche Lebensgrundlage.

In der Textilproduktion spielt vor allem Baumwolle als mit Abstand wichtigste Naturfaser eine große Rolle. Immerhin ca. 2,5 Prozent der weltweiten Ackerfläche wird für den Baumwollanbau genutzt. Die Förderung nachhaltigen Baumwollanbaus ist daher ein wichtiges Ziel im Bündnis für nachhaltige Textilien. Durch Reduktion oder gänzlichen Verzicht auf synthetische Pestizide, moderne Anbaumethoden und den Anbau von Bio-Baumwolle werden Böden und Gewässer geschont und die Biodiversität erhalten. Die Bauern können höhere Preise erzielen und profitieren oftmals auch von langfristigen Handelsbeziehungen, sodass sich weitere Investitionen in eine nachhaltige Baumwollproduktion lohnen.

Alle Mitglieder des Textilbündnisses haben das gemeinsame Ziel, bis 2020 den Anteil nachhaltiger Baumwolle auf 35 Prozent zu steigern, davon sollen mindestens 10 Prozent aus biologischem Anbau stammen. Bis 2025 sollen sogar 70 Prozent nachhaltige Baumwolle im Bündnis Verwendung finden; Biobaumwolle soll davon mindestens die Hälfte ausmachen.

Ziel 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen

Nachhaltige Entwicklung ist nicht ohne Frieden und Stabilität möglich. Wesentliche Voraussetzungen dafür sind effektive, verantwortungsvolle und transparente Institutionen, eine unabhängige Justiz, die Wahrung der Menschenrechte und eine effektive Rechtsdurchsetzung. Doch noch immer müssen weltweit Kinder arbeiten und Korruption und Steuervermeidung kosten Entwicklungsländer jährlich 1,26 Billionen US-Dollar.

Auch in den weltweit verzweigten Textil-Lieferketten finden sich mitunter noch Ausbeutung, Kinderarbeit oder Korruption. Die Mitglieder des Textilbündnisses haben sich zum Ziel gesetzt, diese Bedingungen zu verändern und ihre Vertragspartner in der Lieferkette zu den sozialen Bündniszielen zu verpflichten. Außerdem müssen sich alle Bündnismitglieder zu Null-Toleranz in Sachen Korruption bekennen. In diesem Sinne nutzen auch die Bundesregierung, Verbände, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Standardorganisationen ihren Einfluss bei politischen Entscheidungsträgern. Hersteller, Handel und Marken verpflichten sich außerdem, geeignete Prozesse zum Umgang mit Fällen von Kinder- und/oder Zwangsarbeit aufzubauen, durch wirksame Maßnahmen Abhilfe zu schaffen und diese Arbeitsformen in Zukunft zu verhindern.

Ziel 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Ob es um die Zahlung existenzsichernder Löhne oder die Verbannung bestimmter giftiger Chemikalien geht – textile Lieferketten bergen eine Reihe von Herausforderungen, die aufgrund der Komplexität und globalen Ausgestaltung der Lieferketten kein Akteur alleine bewältigen kann. Damit textile Lieferketten zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, müssen sich Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam diesen Herausforderungen stellen.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien macht es vor und vereint nicht nur verschiedene Akteure in Deutschland, sondern kooperiert auch auf internationaler Ebene mit anderen Initiativen. So bringt das Textilbündnis zum Beispiel mit Action Collaboration Transformation (ACT) und der Fair Wear Foundation (FWF) gemeinsam das Thema existenzsichernde Löhne voran. Mit der Sustainable Apparel Coalition (SAC) und dem niederländischen Agreement on Sustainable Garments and Textile (AGT) arbeitet das Bündnis unter anderem daran, gemeinsam die Anforderungen an unternehmerische Sorgfaltspflichten an den aktuellen OECD-Leitsätzen auszurichten und so die europäische und internationale Angleichung wesentlicher Prozesse zu fördern. Und für die Themen Chemikalienmanagement und Substitution gefährlicher Chemika­lien kooperiert das Bündnis für nachhaltige Textilien derzeit eng mit Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC). Diese Partnerschaften werden kontinuierlich ausgebaut und weitere sollen hinzukommen.