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Bündnisinitiative Tamil Nadu

Die Bündnisinitiative Tamil Nadu zielt darauf ab, die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie in dem gleichnamigen indischen Staat systemisch zu verbessern, insbesondere für Frauen und Mädchen in Spinnereien. In enger Zusammenarbeit mit den indischen Partnern will die Initiative Veränderungen auf mehreren Ebenen anstoßen.

Ein Dialog soll die wesentlichen Beteiligten der lokalen Textilindustrie für die Rechte der Arbeiter*innen sensibilisieren. Daneben begleitet ein Schulungsprogramm die geplante Einrichtung von Beschwerdestellen in 200 Spinnereien und Fabriken. Zudem werden Arbeiter*innen und Management über Arbeitsrechte und Beschwerdemechanismen informiert.

Die Bündnisinitiative Tamil Nadu hat im Juli 2018 begonnen und läuft bis Ende Juni 2020.

Das Factsheet der Bündnisinitiative finden Sie hier in Deutsch und Englisch.

Auf der Website unseres lokalen Umsetzungspartners (MSI-TN) finden Sie weitere Informationen sowie eine Übersicht der durchgeführten Trainings.

"Alle müssen Verantwortung übernehmen"
Mugilan P. koordiniert seit Oktober 2018 das Trainings-Programm bei SAVE, der indischen Partnerorganisation der Bündnisinitiative Tamil Nadu. Das Bündnissekretariat hat ihn nach einer Bilanz des ersten Jahres der Initiative gefragt.

Das gesamte Interview finden Sie im Jahresbericht 2019 (DE und EN).

In diesem Jahr wurden über 100 Trainings zu Arbeitsrechten und Beschwerdemechanismen durchgeführt. Wie sind die Trainings in den Fabriken gelaufen? Wurden die Erwartungen der Initiative erfüllt?
Wir haben die Trainings zu 85 Prozent in die Wege geleitet, aber noch nicht abgeschlossen. Es hat sehr viel Zeit gebraucht und wir arbeiten weiterhin daran, den Fabrikmanagern die Arbeit der MSI-TN zu vermitteln. Da inzwischen viele Stakeholder die MSI-TN und ihre Ziele kennen, konnten wir alle Trainingsphasen von Level 1 bis 6 starten. In Level 1 erklären wir zum Beispiel, was die MSI-TN ist und was sie macht: Im Grunde bilden wir zwei Gremien, ein internes Beschwerdegremium [engl. Internal Complaint Committee; Abk. ICC] sowie ein Works Committee [Abk. WC]. Wir konnten die Manager davon überzeugen, dass wir sowohl die Arbeitsbedingungen als auch geschäftsrelevanten Prozesse verbessern. Es ist eine Win-win-Situation. […] Für das ICC-Training werden 80 Prozent weibliche und 20 Prozent männliche Arbeitskräfte ausgewählt. Sie sollen lernen Verantwortung dafür zu übernehmen, sexuelle Belästigung aus den Fabriken zu verbannen. Das bedeutet, dass wir sie zu Führungskräften ausbilden müssen. In der indischen Kultur werden Frauen oft unterdrückt, insbesondere hier im südindischen Tamil Nadu. Frauen müssen die Führung übernehmen und als Vertreterinnen für andere auftreten können. In einigen Fabriken sind die ICC bereits aufgebaut und die Trainings durchgeführt worden.

Haben Sie dadurch konkrete Verbesserungen festgestellt?
Viele Arbeiter*innen wussten nicht, was ICC sind und auch nicht, warum sie im Gremium sitzen. Daher vermitteln wir beim Capacity-Building, wie und wofür die Gremien arbeiten und erklären, was genau sexuelle Belästigung ist. Natürlich sind sexuelle Handlungen sexuelle Belästigung, aber auch zum Beispiel sexuell eindeutige Blicke. Indische Männer sind sich dessen oft nicht bewusst. Sexuelle Gewalt wird nicht nur am Arbeitsplatz, sondern oft auch zuhause ausgeübt. Wir fördern hier das Bewusstsein und klären über Gesetze und Sanktionen auf. Das ist ein großer Fortschritt. […]

Was haben Sie bisher am meisten für sich mitgenommen?
Ich arbeite mit Menschen. Und mit ihren Gefühlen. Viele berichten, dass sie sehr gestresst sind. Deshalb haben wir bereits viele Aktivitäten zum Stressabbau durchgeführt. Es darf nicht passieren, dass wütende Manager oder Betreuer die Arbeiter*innen beschimpfen. Im Gegenteil sollten gerade die Vorgesetzten Vorbilder für die Arbeiter*innen sein. Früher dachten viele Führungskräfte, die Arbeiter*innen seien nicht viel wert. Hier braucht es dringend ein Umdenken und alle müssen sich gegenseitig als Menschen wahrzunehmen und respektieren. Damit beginnt man, Menschen gleichberechtigt und mit Respekt zu behandeln. Wir appellieren mit den Trainings an ihren Verstand, insbesondere bei den Führungskräften und Personalmanager*innen. Das alles geht über das Training für die Gremien hinaus.

Frauen während eines von SAVE durchgeführten Trainings in einer Fabrik. Copyright @SAVE
Fabrik-Training von SAVE in Tamil Nadu. Copyright @SAVE
Partner der Initiative

Hauptpartner: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), FEMNET e.V., Hugo Boss AG, KiK Textilien & Non Food GmbH, Otto GmbH & Co., Tchibo GmbH

Assoziierte Partner: TransFair e.V., Brands Fashion GmbH

Implementierungspartner: Multi-Stakeholder Initiative Tamil Nadu (MSI-TN) sowie SAVE (Social Awareness and Voluntary Education) als Sekretariat der MSI-TN

Bündnis für nachhaltige Textilien

c/o Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Friedrich-Ebert-Allee 36
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mail@textilbuendnis.com
Telefon: +49 228 4460-3560

@2019 Bündnis für nachhaltige Textilien