Review-Prozess
1.000 kleine Schritte. Von Jahr zu Jahr besser werden.
Verantwortung für die Lieferkette
Beim Review-Prozess bekennen sich die Mitglieder zu ihrer individuellen Verantwortung für die Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten.

Der Review-Prozess steht für die individuelle Verpflichtung der Unternehmen im Textilbündnis, Verantwortung für die Nachhaltigkeit in ihrer Lieferkette zu übernehmen. Ziel des Review-Prozesses ist es, den schwerwiegendsten sozialen, ökologischen und Compliance-Risiken in der Wertschöpfungskette effektiv vorzubeugen und sie zu mindern.

Eine individuelle Risikoanalyse anhand von elf Sektorrisiken ist die Grundlage des Prozesses (Leitfaden DE und EN). Basierend auf den Ergebnissen der Risikoanalyse leiten die Unternehmen Ziele und Maßnahmen für die kommenden zwei Jahre ab. Neben der Vorbeugung und Milderung soll im Falle von negativen Auswirkungen Abhilfe und Wiedergutmachung geleistet werden.

Doch die Mitglieder blicken dabei nicht nur in die Zukunft. Sie werfen auch einen Blick zurück. Was haben sie im vergangenen Jahr für mehr Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten erreicht? Welche Maßnahmen konnten sie erfolgreich umsetzen und welche Ziele haben sie erreicht? All das wird im Fortschrittsbericht erfasst.

Zur Verifizierung und Qualitätssicherung der Risikoanalyse wie auch der gesetzten Ziele und berichteten Fortschritte findet ein qualitatives Auswertungsgespräch statt, das sowohl von einem externen Dienstleister als auch vom Bündnissekretariat vorbereitet und geführt wird.

Darin geht es insbesondere um die folgenden Fragen: Sind die Ziele angemessen, um den schwerwiegendsten Risiken vorzubeugen bzw. diese zu mildern? Leiten sich die Ziele und Maßnahmen sinnvoll und nachvollziehbar aus der Risikoanalyse und dem Fortschrittsbericht ab? Alle Berichte werden anschließend hier veröffentlicht.

Ablauf des Review-Prozesses.

Auch die Mitglieder der übrigen Akteursgruppen – also Verbände, Nichtregierungsorganisationen, Standardorganisationen, Gewerkschaften und die Bundesregierung – kommen im Bündnis einer Berichterstattungspflicht nach. Sie beschreiben, wie sie sich im vergangenen Berichtszeitraum in das Bündnis eingebracht haben und welche Maßnahmen sie sich zur Erreichung der Bündnisziele vorgenommen haben.

Verbindlichkeit für alle Unternehmen im Bündnis

2019 wurde der Review-Prozess grundlegend überarbeitet und der Sorgfaltspflichtenansatz (Due Diligence) in den Fokus gestellt. Orientierung boten dabei die Anforderungen und Vorgaben internationaler Rahmenwerke wie die UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains in the Garment and Footwear Sector und die ILO Kernarbeitsnormen. Anders als in der Vergangenheit verfolgen die Mitglieder nun keine einheitlich verbindlichen Ziele im Bündnis. Stattdessen leiten die Unternehmen Ziele und Maßnahmen von ihrer individuellen Risikoanalyse und -priorisierung ab und gehen so gezielt ihre schwerwiegendsten Risiken an:

  1. Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen
  2. Diskriminierung, sexuelle Belästigung und geschlechtsspezifische Gewalt
  3. Gesundheit und Sicherheit
  4. Lohn und Sozialleistungen, existenzsichernde Löhne
  5. Arbeitszeiten
  6. Kinder- und Zwangsarbeit
  7. Korruption
  8. Chemikalieneinsatz, Abwassser
  9. Umweltschutz, Ressourceneinsatz
  10. Treibhausgasemissionen
  11. Tierwohl (inkl. Schafhaltung, Mulesing)

Unabhängig von der individuellen Risikobewertung müssen sich die Unternehmen zu den folgenden drei Risiken Ziele setzen: Existenzsichernde Löhne, Chemikalieneinsatz & Abwasser und Korruption. Unternehmen sind darüber hinaus verpflichtet, den Zugang zu effektiven Abhilfe- und Beschwerdemechanismen zu fördern. Auch das gemeinsame Ziel zur Steigerung des Anteils nachhaltiger Baumwolle bleibt bestehen: Bis 2025 soll der Anteil nachhaltiger Baumwolle auf insgesamt 70 Prozent steigen, der darin enthaltene Anteil an Bio-Baumwolle auf 20 Prozent. Das gemeinsame Ziel von 35 Prozent nachhaltiger Baumwolle bis 2020 haben die Mitglieder bereits 2018 nahezu erreicht (siehe Artikel).

Jedes baumwollbeschaffende Bündnismitglied leistet einen Beitrag zum gemeinsamen Erfolg, indem es kontinuierlich seinen Anteil an nachhaltiger Baumwolle steigert. Für eine messbare Zielerreichung haben die Bündnismitglieder Mindestanforderungen für einen nachhaltigen Baumwollanbau festgelegt. Auf dieser Grundlage verständigte sich das Textilbündnis auf elf Standardsysteme, deren Verwendung gilt als Nachweis gilt.

Standardsysteme für nachhaltige Baumwolle

Hierzu gehören der Standard der Better Cotton Initiative (BCI), der australische myBMP Standard, Cotton made in Africa, Fairtrade Cotton und CottonConnect. Für die Beschaffung von Biobaumwolle gelten der Global Organic Textile Standard (GOTS), der Standard des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft NATURTEXTIL IVN, der Organic Content Standard (OCS) von Textile Exchange und der BioRe Social & Environmental Standard sowie alle Bio-Standards der IFOAM Family of Standards. Die Standards der IFOAM Family of Standards gelten auch für die Beschaffung nachhaltiger Schurwolle, ebenso wie der Responsible Wool Standard (RWS).