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Fokusthemen

Existenzsichernde Löhne und Einkaufspraktiken

Fokusthema

In den Produktionsländern der Textilindustrie werden häufig keine existenzsichernden Löhne gezahlt, selbst wenn gesetzlich festgelegte Mindestlöhne eingehalten werden. Als existenzsichernd gilt ein Lohn, der die Lebenshaltungskosten von Arbeiter*innen und ihren abhängigen Familienangehörigen abdeckt und angemessene Rücklagen für Notsituationen ermöglicht.

Das Bündnis und seine Mitglieder streben die Zahlung existenzsichernder Löhne in der gesamten Lieferkette gemäß anerkannter Benchmarks anhand international anerkannter Referenzrahmen an.

Referenzrahmen
a) Common Framework for Responsible Purchasing Practices (CFRPP)

Das Textilbündnis und seine Mitglieder streben verantwortungsvolle Einkaufspraktiken und die Zahlung existenzsichernder Löhne in der Lieferkette gemäß des Common Framework for Responsible Purchasing Practices (CFRPP) an. Anhand von fünf Prinzipien definiert das CFRPP verantwortungsvolle Einkaufspraktiken und hinterlegt diese mit konkreten Praktiken, die eine effektive und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen einkaufenden Unternehmen und Lieferanten und die Zahlung existenzsichernder Löhne in Zuliefererbetrieben ermöglichen.

Das Framework dient als offizieller Referenzrahmen, um Einkaufspraktiken verantwortungsvoll zu gestalten. Es wird bei der Gestaltung von Einkaufsprozessen berücksichtigt und sukzessive umgesetzt. Die festgelegten KPI richten sich an diesem Framework aus und dienen als Datenpunkte, um die Wirkung in der Lieferkette zu belegen.

b) Liste mit anerkannten Referenzwerten

Die Fair Wear Foundation (FWF, strategische Partnerorganisation des Textilbündnisses) hat eine Liste mit Referenzwerten für existenzsichernde Löhne in einzelnen Ländern und Regionen erstellt und aktualisiert diese regelmäßig. Das Textilbündnis empfiehlt seinen Mitgliedsunternehmen, diese Liste zu nutzen, um die Lohnlücke zu berechnen, die zwischen dem derzeit gezahlten Lohn und einem existenzsichernden Lohn besteht.

Über die reine Analyse der aktuellen Lohn-situation in der Lieferkette hinaus wird von den Bündnismitgliedern erwartet, dass sie Maßnahmen ergreifen, um Lohnlücken zu schließen (siehe Bündnis-Sozialstandards).

Anforderungen und Indikatoren

Die Zielsetzung zur Zahlung existenzsichernder Löhne und Optimierung von verantwortungsvollen Einkaufspraktiken gemäß des CFRPP sollen die Mitgliedsunternehmen individuell verbindlich festlegen. Eine entsprechende Grundsatzerklärung inkl. einer groben Beschreibung zielführender Prozesse und Maßnahmen liegt öffentlich vor und wird regelmäßig aktualisiert.

Anforderungen Indikatoren

Einfluss der Einkaufspraktiken auf Löhne

Der Einfluss der eigenen Einkaufspraktiken auf die Zahlung existenzsichernder Löhne wird unter Einbeziehung der eigenen Geschäftspartner analysiert.

  • Anteil der Tier 1 Produzenten, die an einer Befragung zu verantwortungsvollen Einkaufspraktiken (z.B. BBPI, PSA, FWF Brand-Performance-Check) teilgenommen haben.

  • Anteil des (Einkauf-)Personals, das zu

    • verantwortungsvollen Einkaufspraktiken und deren Einfluss auf Living Wages

    • sowie "Responsible Exit“ geschult ist.

Lohndaten-Erhebung

Daten zur tatsächlichen Lohnhöhe in der eigenen Lieferkette werden regelmäßig erhoben und sukzessive ausgebaut.

  • Anteil an Tier 1 Produzenten, bei denen Daten über die tatsächliche Lohnhöhe der Kernbeschäftigungsgruppen vorliegen.

  • Anteil an Tier 1 Produzenten, bei denen die Daten zusätzlich

    • gender-disaggregiert sind (m/w/o),

    • die Art der Bezahlung und Beschäftigung (z.B. Akkordlohn),

    • sowie den prozentualen Anteil an Sachleistungen umfassen (in-kind Benefits).

Lückenanalyse

Das Lohngefälle zwischen gezahlten Löhnen und anerkannten Referenzwerten zu existenzsichernden Löhnen ist in den Top 3 Risiko-Ländern und bei Hochrisiko-Zulieferern analysiert und Lohnlücken sind darüber identifiziert.

  • Die Lohnlücke ist mindestens für die TOP 3 Risiko-Länder und bei Hochrisiko-Produzenten identifiziert und veröffentlicht. (Link)

  • Der Median der prozentualen Lohnlücke ist errechnet und veröffentlicht.

Schließung der Lohnlücke

Die Lohnlücke in Zuliefererbetrieben wird sukzessive verkleinert und Stärkung von Gewerkschaften und Kollektivverhandlungen bzw. sozialer Dialog wird gefördert.

  • Anteil der Tier 1 Produzenten (Management Level) in Top 3 Risiko-Ländern und der Hochrisiko-Produzenten, die an Schulungsmaßnahmen zu existenzsichernden Löhnen teilgenommen haben.

  • Anteil der Tier 1 Produzenten in Top 3 Risiko-Ländern, bei denen die Lohnkosten isoliert dargestellt und nicht verhandelt werden.

  • Anteil der Tier 1 Produzenten in Top 3 Risiko-Ländern und Hochrisiko-Zulieferern, bei denen kollektiv verhandelte Lohnkostensteigerungen eingepreist werden.

Weiterführende Informationen und Links
Fokusthemen im Textilbündnis

Mit vier Fokusthemen möchte das Textilbündnis die Ressourcen des Bündnissekretariats und die der Mitglieder auf wesentliche gemeinsame Herausforderungen und Elemente des Sorgfaltspflichten-Ansatzes mit besonders großem Hebel für Veränderungen konzentrieren