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Bündnisinitiativen

Bündnisinitiative Existenzsichernde Löhne

In den Produktionsländern der Textilindustrie werden häufig Löhne gezahlt, die man nicht als existenzsichernd bezeichnen kann, selbst wenn die gesetzlich festgelegten Mindestlöhne eingehalten werden. Als existenzsichernd gilt ein Lohn, der die Lebenshaltungskosten von Arbeiter*innen und ihren abhängigen Familienangehörigen abdeckt und angemessene Rücklagen für Notsituationen ermöglicht.

Weil einzelne Akteure in dieser Frage nur wenig bewirken können, hat das Textilbündnis eine Bündnisinitiative zu existenzsichernden Löhnen gestartet. Hier tragen die Teilnehmer der Initiative aktiv zu wirkungsvollen Lösungen in der Lohnfrage bei. Die Initiative besteht zurzeit aus drei aufeinander aufbauenden Modulen, die in Zukunft durch weitere ergänzt werden sollen.

Grafik Existenzsichernde Löhne, man sieht eine Person, die zwei anderen Personen Geld gibt
Living Wage Lab

Mit dem Start des Living Wage Lab im September 2021 ist die Bündnisinitiative (BI) Existenzsichernde Löhne in eine neue Phase gestartet. Das Ziel des Living Wage Labs es ist, Bündnismitglieder bei der Entwicklung und Umsetzung individueller Strategien zu existenzsichernden Löhnen zu unterstützen und gemeinsam mit Lieferanten skalierbare Lösungen zu entwickeln.

Am Living Wage Lab beteiligen sich 17 Bündnisunternehmen, darunter Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und von Gewerkschaften. Sie wollen einerseits Erfahrungen austauschen, was sie bereits zur Steigerung der Löhne unternommen haben und was sie in Zukunft planen. Andererseits möchten sie voneinander lernen, wie sie Pilotprojekte zur Lohnsteigerung mit Lieferanten umsetzen und die Transparenz und ihre Einkaufspraktiken im Unternehmen verbessern können.

Basis-Modul: Verbesserung der Einkaufspraktiken

Bei einer Selbsteinschätzung (Purchasing Practices Self-Assessment, PPSA) untersuchen die Teilnehmer*innen dieses Moduls, wie sich ihre Einkaufspraktiken konkret auf Löhne bei ihren Lieferanten auswirken. Im Anschluss werden sie individuelle Verbesserungsmaßnahmen entwickeln, die den Spielraum der Lieferanten für Lohnerhöhungen vergrößern. Mit Trainings und Peer-Learning-Formaten unterstützen Expert*innen die Aktivitäten der Teilnehmer*innen.  Diese sind: ALDI Einkauf GmbH & Co. oHG (ALDI Nord), HOFER KG (ALDI SÜD), Deuter Sport GmbH, EDEKA ZENTRALE AG & Co. KG, HUGO BOSS AG, Hch. Kettelhack GmbH & Co. KG, Jako AG, KiK Textilien und Non-Food GmbH, ORTOVOX Sportartikel GmbH, Otto GmbH & Co KG (Otto Group), Textilkontor Walter Seidensticker GmbH & Co. KG, Triaz GmbH.

Trainings-Modul: Capacity Building für Zulieferer

Zentrale Akteure im Kontext von existenzsichernden Löhne sind Lieferanten, da diese Arbeiter*innen direkt beschäftigen und Löhne auszahlen. Häufig mangelt es Lieferanten jedoch an Wissen, wie Produktpreise so kalkuliert werden, dass Löhne von Arbeiter*innen angemessen berücksichtigt sind. Das zusätzliche Modul für die Bündnisinitiative richtet sich daher explizit an Lieferanten in Produktionsländern. Das Modul zielt darauf ab, Lieferanten ein umfassendes Verständnis über alle anfallenden Arbeitskosten zu vermitteln und aufzuzeigen, wie sie Preise so gestalten, dass Löhne von Arbeiter*innen gesichert sind. Die Trainings werden von der Fair Wear Foundation (FWF), dem strategischen Kooperationspartner des Bündnisses, durchgeführt und gemeinsam mit dem Dutch Agreement on Sustainable Garments and Textile (AGT) in verschiedenen Produktionsländern der Textilindustrie angeboten.

Länder-Modul: Unterstützung von ACT in Kambodscha

Im Länder-Modul wollen sich Mitglieder gemeinsam in Produktionsländern für existenzsichernde Löhne engagieren („Living Wages“). Das erste Länder-Modul unterstützt die Initiative Action Collaboration Transformation (ACT), die sich für die Vereinbarung eines Flächentarifvertrags in der kambodschanischen Textilbranche einsetzt. Bei diesem Modul werden sich die beteiligten Unternehmen, verpflichten, ihr Sourcing-Volumen in Kambodscha bis 2022 konstant zu halten oder zu steigern und erhöhte Lohnkosten in den Einkaufspreisen zu berücksichtigen. Zurzeit ruhen die Aktivitäten, da das Engagement unter dem Vorbehalt steht, dass Kambodscha seine Zollvergünstigungen durch das „Everything but Arms“ (EBA) Abkommen behält. Die EU stellt das in Frage, da sie eine konsequente Verpflichtung der Regierung auf die Einhaltung der Bürgerrechte erwirken möchte.

Leitsätze für verantwortungsvolle Einkaufspraktiken in Zeiten von COVID-19

Die COVID-19-Pandemie stellt Marken- und Handelsunternehmen vor nie dagewesene Herausforderungen und übersteigt den Handlungsspielraum eines einzelnen Unternehmens. Ungeachtet dessen gilt das Bekenntnis aller Bündnismitglieder zur Achtung von Menschenrechten und zur Verfolgung der Bündnisziele in der gesamten Lieferkette. Die Mitglieder des Textilbündnisses arbeiten sowohl individuell als auch gemeinsam mit anderen Akteuren daran, die negative Auswirkungen des COVID-19-Ausbruchs auf die Betriebe und Arbeiter*innen der Textil-Lieferkette zu mildern und stabile Beziehungen für die Zukunft sichern. Das Handeln der Bündnismitglieder ist geprägt von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit und dem Verständnis einer geteilten Verantwortung aller Akteure in der Lieferkette.

Um kurzfristig negative Auswirkungen zu mildern wurden im Textilbündnis Leitsätze erarbeitet, die Empfehlungen für den Umgang mit Aufträgen sowie Gesundheitsrisiken und der Ansteckungsgefahr in Produktionsstätten enthalten. Diese Leitsätze werden fortlaufend über die unmittelbare Zeit der Krise hinaus weiterentwickelt.

Screenshot Leitsätze für verantwortungsvolle Einkaufspraktiken in Zeiten von COVID-19

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