Expertendiskussion über unternehmerische Sorgfaltspflicht im Textil- und Bekleidungssektor in der Europäischen Union

Auf dem Podium diskutierten (von l. nach r.) Katarzyna Kuske (Referentin bei GD GROW für Tourismus, aufstrebende Industriezweige und Kreativwirtschaft, EU-Kommission), Agnes Jongerius (stellv. Vorsitzende des Ausschusses für Beschäftigung und Soziales, Europäisches Parlament), Pascale Moreau (Öffentlichkeitsmanagerin, Sustainable Apparel Coalition), Aleix Gonzalez Busquets (Leiter Einbeziehung externer Stakeholder, C&A) und Luc Triangle (Generalsekretär, IndustriALL Europe).

Das Bündnis für nachhaltige Textilien (Textilbündnis) und das niederländische Agreement on Sustainable Garments and Textile (AGT) treiben die Diskussion über Kooperationsmöglichkeiten zur Stärkung unternehmerischer Sorgfaltspflicht im Bekleidungssektor auf EU-Ebene voran.

Im Rahmen der Europäischen Entwicklungstage vom 5. – 6. Juni in Brüssel veranstalteten das deutsche Textilbündnis und das niederländische AGT eine Podiumsdiskussion mit hochrangingen Experten/-innen aus Wirtschaft und Politik. Ziel der Veranstaltung war es, das Potential für stärkere Kooperation auf EU-Ebene zum Thema unternehmerische Sorgfaltspflicht (Due-Diligence) im Textil- und Bekleidungssektor zu diskutieren und Skalierungsmöglichkeiten bestehender nationaler Initiativen zu erörtern.

Dr. Jürgen Janssen, Leiter des Sekretariats des Textilbündnisses, und Jef Wintermans, Koordinator des AGT, stellten die Ansätze ihrer Initiativen vor und präsentierten erste Ergebnisse sowie bereits gewonnene Erkenntnisse. Darüber hinaus erklärten sie, dass die strategische Kooperation zwischen beiden Initiativen auf der Grundlage der OECD (Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains in the Garment and Footwear Sector) auf eine stärkere Angleichung von Nachhaltigkeitsanforderungen abzielt.

Im Anschluss diskutierten die Vertreter/-innen der EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und Parlaments, Unternehmen, Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen über die Förderung und Etablierung von verantwortungsvollen Geschäftspraktiken und unternehmerische Sorgfaltspflicht. Der Fokus der Diskussion lag dabei auf der Notwendigkeit und dem Potenzial einer verstärkten Zusammenarbeit auf EU-Ebene.

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass eine flächendeckende Umsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten entscheidend für eine systematische und kontinuierliche Verbesserung der Umwelt- und Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern ist.

Die Meinungen darüber, wie dies erreicht werden sollte, gingen jedoch auseinander.

Neben der bekannten Forderung nach verbindlichen Due-Diligence-Anforderungen auf EU-Ebene, sprachen sich andere für eine stärkere Angleichung der bestehenden nationalen Initiativen aus und appellierten an die EU-Kommission, dabei die Koordinatorenrolle zu übernehmen.

Weitere Themen der Podiumsdiskussion waren die aktuelle EU-Handelspolitik als Hebel zur Verbesserung der Einhaltung von Arbeits- und Umweltstandards, die Rolle der Regierungen in den Produktionsländern und die Textilproduktion in Osteuropa und EU-Beitrittsländern.