OECD Leitlinien in die Praxis umsetzten

In Deutschland und den Niederlanden haben sich Unternehmen, Wirtschaftsverbände, die Regierung, Nichtregierungsorganisationen, Standartorganisationen und Gewerkschaften zu nationalen Multistakeholder-Initiativen zusammengeschlossen, um die sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen entlang der textilen Lieferkette zu verbessern.

Wie sind diese zwei Initiativen aufgestellt und wie unterstützen sie ihre Mitglieder in der Umsetzung? Wie hängt ihre Arbeit mit den OECD Leitlinien für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht zur Förderung verantwortungsvoller Lieferketten im Bekleidungs- und Schuhsektor zusammen? Welche Richtung wird die Vereinigung der beiden Initiativen einschlagen?

Um diese und weitere Fragen anzusprechen, organisiert das Sekretariat des Bündnisses für nachhaltige Textilien und das Dutch Agreement on Sustainable Garments and Textiles eine gemeinsame Sitzung. Beide Initiativen präsentieren die Schwerpunkte und jüngsten Ergebnisse ihrer Arbeit und diskutieren kritische Fragen. Zusätzlich werden Mitglieder beider Initiativen verdeutlichen, wie die Umsetzung in die Praxis aussieht.

 

Joint Side-Event auf dem OECD Forum für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht im Bekleidung- und Schuhsektor

Datum:  Dienstag, 30. Januar

Ort:  OECD, Paris, Zimmer TBC

Zeitplan:  11:00-13:00 Uhr

Registrierung:  Hier

Um Teilzunehmen bitte bis zum 19. Januar 2018 hier registrieren.Bitte beachten Sie, dass eine Registrierung beim OECD Forum notwendig ist, um Einlass in das Gebäude zu bekommen. Bitte registrieren Sie sich hier für das OECD Forum.

 

Strategische Kooperation mit ACT geschlossen – Bündnisinitiative zum Chemikalienmangement startet

(15.12.2017, Bonn/Berlin) Auf seinem Weg, die Bedingungen in globalen Textillieferketten zu verbessern, hat das Bündnis für nachhaltige Textilien nun entscheidende Schritte in Richtung Internationalisierung gemacht: Eine strategische Kooperation mit der Initiative „Action Collaboration Transformation“ (ACT) soll Synergien nutzen, um existenzsichernde Löhne in der Textil- und Bekleidungsindustrie voranzutreiben. Dazu wollen Mitglieder beider Initiativen künftig Erfahrungen zum Thema Einkaufspraktiken austauschen und bei der Umsetzung in Produktionsländern kooperieren. Auch bei der Bündnisinitiative zum Chemikalienmanagement in Asien geht es um gemeinsames Engagement und um die konkrete Umsetzung in den Produktionsländern: 16 Bündnismitglieder haben nun vertraglich die Zusammenarbeit besiegelt.

Bereits im November fiel im Bündnis für nachhaltige Textilien die Entscheidung, das Thema existenzsichernde Löhne künftig noch stärker ins Zentrum der Arbeit zu stellen. Dieser Entschluss wird nun durch die neue Kooperation mit ACT untermauert. Beide Partner unterzeichneten gestern eine gemeinsame Erklärung, in der u.a. das Ziel festgeschrieben wurde, die Zahlung existenzsichernder Löhne in Produktionsländern der Textil- und Bekleidungsindustrie über industrieweite Tarifverträge und Anpassungen der Einkaufspraktiken zu fördern. Beide Parteien verbindet der Standpunkt, dass die Lösung der bestehenden Herausforderungen im Sektor einen systematischen Ansatz benötigt.

Dr. Jürgen Janssen, Leiter des Sekretariats des Bündnisses für nachhaltige Textilien betont die Relevanz des neuen Schwerpunktthemas im Bündnis: „Existenzsichernde Löhne sind insbesondere in der Textilindustrie bisher eher die Ausnahme als die Regel. Für eine erfolgreiche, flächendeckende Umsetzung müssen viele Akteure zusammenkommen und systemische Veränderungen möglich machen. Deswegen ist unsere Kooperation mit der Initiative ACT so ein wichtiger Hebel.“

Die Initiative ACT besteht aus 17 Marken- und Handelsunternehmen und dem internationalen Gewerkschaftsverband IndustriALL. Ihr Geschäftsführer Dr. Frank Hoffer stellt die Wichtigkeit von branchenweiten Tarifverhandlungen in Verbindung mit Anpassungen der Einkaufspraktiken heraus: „Löhne müssen landesweit unter gleichen Bedingungen ausgehandelt werden können – unabhängig davon, um welche Fabrik es geht und für wen produziert wird. Ermöglichen sollen dies auch entsprechende Vertragsbedingungen mit globalen Marken und Einzelhändlern.“ Dazu brauche es ein breites Bündnis, so Hoffer weiter. „Wir freuen uns deshalb, mit dem deutschen Textilbündnis einen so engagierten und ambitionierten Partner gefunden zu haben.“

Die jetzt geschlossene Kooperation ist ein zentraler Baustein für die Bearbeitung des Themas im Bündnis und gleichzeitig ein Auftakt für die weitere internationale Ausrichtung des Bündnisses.

Mit der nun vertraglich besiegelten Bündnisinitiative zum Chemikalien- und Umweltmanagement soll außerdem der Einsatz von problematischen Chemikalien in Nassprozessen in der Textilproduktion deutlich verringert werden. Die Bündnisinitiative startet in den Schwerpunktländern China und Bangladesch. Weitere Regionen sollen folgen: Mit Myanmar, Äthiopien und Pakistan gibt es bereits Gespräche. Am Mittwoch hatten 16 Bündnismitglieder eine Absichtserklärung unterschrieben. Damit haben ALDI Nord, ALDI SÜD, BEPI, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, BSI, Brands Fashion, EDEKA-Verbund, Deuter, Hej Support, KiK, Otto Group, Rewe Group, Sympatex, Tchibo, das Umweltbundesamt und ZDHC ihre Mitarbeit und finanzielle Unterstützung für ein breit angelegtes Qualifizierungsprogramm zugesagt. Bis Ende 2019 werden Workshops, Trainings und Dialogveranstaltungen nicht nur das Bewusstsein für ein nachhaltiges Chemikalien- und Umweltmanagement in Produktionsstätten schärfen, unterstützt durch umfangreiche Schulungsmaterialien werden Trainings in Fabriken mit Nassprozessen zu einem deutlichen Wissenszuwachs sowie einer schrittweisen Substitution von schädlichen Chemikalien führen. Der zusätzliche Aufbau von Kooperationsstrukturen mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Chemieindustrie sorgen für die weitere Verstetigung der Prozesse und eine Breitenwirkung.

Mit der vertraglichen Vereinbarung geht die Bündnisinitiative nun aus dem Planungsstadium in die Umsetzungsphase. Weitere Bündnisinitiativen werden im kommenden Jahr folgen und so systematisch und konkret für weitere Verbesserungen in den Produktionsländern sorgen.

 

Beschluss über verbindliche Zeit- und Mengenziele

Wie bereits in der Pressemitteilung vom 24. November 2017 kommuniziert hat sich der Steuerungskreis des Bündnisses in seiner 16. Sitzung auf konkrete verbindliche Zeitziele für alle Mitglieder verständigt. Zusammen mit empfohlenen Zielen stellen sie die Anforderungen für den kommenden Review-Prozess dar.

Demnach unterscheidet das Textilbündnis ab 2018 zwischen

  • verbindlichen Zielen, die von allen Mitgliedern zu einem vorgegebenen Zeitpunkt verfolgt werden müssen
  • empfohlenen Ziele, die von allen Mitgliedern verfolgt werden sollten und
  • frei zu setzenden Ziele, die sich an den Inhalten und der Struktur des Frageraster orientieren, darüber hinaus aber weitestgehend frei von den Mitgliedern ausgestaltet werden können.

Im Sinne der kontinuierlichen Zielverfolgen wurden spezifische Ziele für die Jahre 2018, 2019 und 2020 festgelegt und diese individuell auf die Akteursgruppen zugeschnitten. Alle Mitglieder leisten so einen Beitrag zur gemeinsamen Vision, die textile Lieferkette sozial und ökologisch nachhaltig zu machen.

Hier finden Sie eine Übersicht der beschlossenen Zeit- und Mengenziele für die Jahre 2018 bis 2020.

 

VOM FRAGERASTER ZUM INDIVIDUELLEN MAßNAHMENPLAN

Im Rahmen der Erarbeitung eines Maßnahmenplans und des resultierenden Reviewprozesses stellen sich die Mitglieder ausgewählten Fragen zu Themen wie u.a. Geschäftspraktiken und Lieferkettenmanagement, Risikoanalysen aber auch die Beschwerdemechanismen und Kommunikation im Unternehmen.

Im Folgenden bieten wir Ihnen die vollständigen Frageraster – sortiert nach den sieben Akteursgruppen im Textilbündnis – zum Download an.

Marken/Handel          Hersteller          Bundesregierung         Gewerkschaften

Standardorganisationen          Nichtregierungsorganisationen          Verbände

 

 

 

 

 

Bündnis für nachhaltige Textilien tritt 2018 in neue Phase: Verbindliche Ziele für alle Mitglieder und stärkere Internationalisierung

Decision in the Textiles Partnership: Implementation of Partnership Goals Starts in 2017

(24.11.2017, Bonn/Berlin) Auf seinem Weg in Richtung besserer Arbeitsbedingungen, mehr Umweltschutz und fairen Löhnen in Textil-Lieferketten, geht das Bündnis für nachhaltige Textilien in die nächste Phase: Die ambitionierten Bündnisziele werden von konkreten individuellen Zielvorgaben für alle Mitglieder für den Zeitraum 2018 bis 2020 untermauert. Darüber hinaus wird sich das Bündnis noch stärker international ausrichten und dazu die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern intensivieren.

Der Steuerungskreis des Bündnisses für nachhaltige Textilien hat auf seiner Sitzung am 22. und 23. November 2017 erstmals verbindliche Zeitziele für alle Mitglieder beschlossen. Diese bauen auf den individuellen Maßnahmenplänen auf und gelten für den Zeitraum von 2018 bis 2020. So müssen Mitglieder z.B. eine Risikoanalyse erstellen, Geschäftspartner und Produzenten systematisch erfassen, konkret darauf hinwirken, dass ihre Zulieferer keine giftigen Chemikalien einsetzen und Prozesse etablieren, die Kinder- und Zwangsarbeit verhindern. Weitere Ziele gibt es zu existenzsichernden Löhnen. Das Thema soll im kommenden Jahr ein Schwerpunkt im Bündnis sein.

Neben den individuellen Anforderungen, wurden auch gemeinsame Bündnisziele konkretisiert: Hierzu gehört beispielsweise das gemeinsame Ziel, bis 2020 mindestens 35% nachhaltige Baumwolle einzusetzen. Dabei müssen 10% der Gesamtmenge Bio-Baumwolle sein. Bis 2025 soll der Gesamtanteil nachhaltiger Baumwolle dann auf insgesamt 70% steigen, der von Biobaumwolle auf 20%.

„Die Mitglieder haben sich auf konkrete Zeit- und Mengenziele geeinigt. Das ist ein weitreichender Schritt für das Textilbündnis und ein großer Hebel für echte Verbesserungen in den Produktionsländern,“ sagt Dr. Jürgen Janssen, Leiter des Bündnissekretariats.

Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Politik, Gewerkschaften und Standardorganisationen wollen die Ziele durch die Wahrnehmung ihrer individuellen Verantwortung, durch gemeinsames Engagement in Produktionsländern und gegenseitige Unterstützung umsetzen.

Darüber hinaus hat der Steuerungskreis beschlossen, die internationalen Kooperationen des Textilbündnisses mit strategischen Partnern weiter auszubauen, um eine noch größere Breitenwirkung zu erzielen, die Vorgehensweisen abzustimmen und Anforderungen international anzugleichen.

Mitgliederversammlung 2017 – Ein Blick zurück und Blick nach vorn

Anlässlich der dritten Mitgliederversammlung des Bündnisses für nachhaltige Textilien kamen am 11. Oktober über 150 Bündnismitglieder und Gäste im Quadriga Forum in Berlin zusammen. Neben Beiträgen von Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, und BMZ-Textilbotschafterin Barbara Meier gab es Gesprächsrunden mit internationalen Experten, parallele Workshops sowie viel Gelegenheit zur Diskussion und zum Austausch.

Das Bündnissekretariat präsentierte den Jahresbericht  2016 / 2017 und blickte auf Ergebnisse, Erfolge und Lernerfahrungen. Im Zentrum standen Erkenntnisse aus den Maßnahmenplänen, die jedes Mitglied in diesem Jahr erstmalig erstellen musste. Für die Erstellung dieser sogenannten Roadmaps hatte Staatssekretär Silberhorn viel Anerkennung im Gepäck. Er dankte den Mitgliedern für ihr Engagement und forderte dazu auf, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen.

In Arbeitsgruppen zu Themen wie Sorgfaltspflichten von Unternehmen (Due Diligence), Transparenz in der Lieferkette, Korruptionsprävention aber auch berufliche Qualifizierung in der Textilindustrie tauschten die Mitglieder Erfahrungen aus und erörterten gemeinsam Lösungen für die drängendsten Herausforderungen im Textilsektor. So wurden beispielsweise Best Practices für mehr Transparenz in der Lieferkette und Ideen zur Verbesserung der beruflichen Qualifizierung in den Textilfabriken vorgestellt.

Zur Frage „Einfach mehr zahlen? Auf dem Weg zu existenzsichernden Löhnen“ diskutierten Christa Luginbühl (Public Eye), Frank Hoffer (ACT), Henning Seidentopp (Melawear), Lary Brown (Esprit), Martin Curley (Fair Wear Foundation) und Mark Starmanns (BSD Consulting). Die Diskussion zeigte : Die Problematik kann nicht von einem Akteur alleine bewältigt werden – gerade in dieser Frage sind neue Formen der Zusammenarbeit erfolgsentscheidend. Das Bündnis möchte sich im kommenden Jahr dieser Herausforderung stellen und mit einer Bündnisinitiative  einen gezielten Beitrag leisten.

Am Abend verteilte Model und Textilbotschafterin Barbara Meier in einem Interview Lob für die Bündnismitglieder, zeigte wie man richtig über einen Laufsteg schreitet und verriet ihre Strategie, die ihr zu einem „nachhaltigen Kleiderschrank“ verhelfen soll.

 

Vorstellung des Steuerungskreises 2017

Podiumsdiskussion zum Thema „Einfach mehr zahlen? Auf dem Weg zu existenzsichernden Löhnen“

 

Mitglieder veröffentlichen ihre individuellen Maßnahmenpläne

Members publish their individual action plans | ©GIZ Anne KathrinMohr extern (Auftraggeber-GIZ)

Eine Vielzahl von Mitgliedern hat der Veröffentlichung ihres Maßnahmenplans für 2017 zugestimmt. Noch ist die Offenlegung der individuellen Zielsetzungen freiwillig. Ab 2018 ist die jährliche Veröffentlichung verpflichtend.

Für Fairness und Umweltschutz in der Textilproduktion – Die Mitglieder des Bündnisses für nachhaltige Textilien setzen ab 2017 konkrete soziale und ökologische Verbesserungen um

For Fairness and Environmental Protection – commencing in 2017, the Members of the Partnership for Sustainable Textiles are Implementing Concrete Social and Ecological Improvements | © GIZ

(28.07.2017, Berlin) Auf dem Weg zu besseren Arbeitsbedingungen, mehr Umweltschutz und fairen Löhnen sind die Mitglieder des Textilbündnisses einen entscheidenden Schritt vorangekommen: 129 Mitglieder haben konkrete Maßnahmenpläne für 2017 eingereicht, darunter 87 Mitglieder aus der deutschen Textilwirtschaft. Damit bekennen sich 50 Prozent des deutschen Textileinzelhandels nachweisbar zu besseren Arbeitsbedingungen und Umweltschutz. Externe Experten überprüfen die Fortschritte jährlich.

Für das Jahr 2017 haben sich Bündnismitglieder mehr als 1.500 Maßnahmen vorgenommen, die im Rahmen der vom Bündnis vorgegebenen Ziele zu konkreten Verbesserungen führen werden. Sie beziehen sich auf Themen wie existenzsichernde Löhne, die Bekämpfung von Kinderarbeit, die Vermeidung gesundheitsschädlicher Chemikalien oder auch die nachhaltige Wassernutzung im Baumwollanbau.

„129 verbindliche Maßnahmenpläne für mehr Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit – damit geht das Bündnis für nachhaltige Textilien einen ganz neuen Weg,“ hieß es gestern aus dem Steuerungskreis des Bündnisses.

„Alle Mitglieder, die sich an diesem Erfolg beteiligt haben, wissen wie herausfordernd die vergangenen Wochen und Monate intensiver Arbeit waren. Das vorliegende Ergebnis zeigt: das Textilbündnis bewirkt ganz konkrete Verbesserungen in der Textil-Lieferkette,“ hebt der Moderator des Steuerungskreises, Dr. Bernhard Felmberg vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, hervor.

Das Bündnis folgt dem Prinzip der prozesshaften Verbindlichkeit: Der Beitritt zum Textilbündnis ist freiwillig – die Einreichung von Maßnahmenplänen verbindlich. Gut 40 Mitglieder haben das Bündnis deshalb seit Ende 2016 verlassen oder wurden ausgeschlossen, weil sie keinen Maßnahmenplan eingereicht haben.

Aktuell hat das Bündnis 148 Mitglieder: hierzu zählen auch beratende Mitglieder, die als solche keine Maßnahmenpläne erstellen müssen sowie Neumitglieder, die der Umsetzungspflicht erst im kommenden Jahr unterliegen. Die individuellen Maßnahmen orientieren sich an Schlüsselfragen in den Bereichen „Chemikalien- und Umweltmanagement“, „Sozialstandards und existenzsichernde Löhne“ sowie „Nachhaltige Naturfasern“, die im vergangenen Jahr von den verschiedenen Akteursgruppen gemeinsam erarbeitet wurden. Die Formulierung und Umsetzung von Maßnahmen in allen drei Bereichen ist für die Mitglieder verbindlich.

Über 80 Prozent der Mitglieder haben diese Anforderungen auf Anhieb erfüllt. Rund 20 Prozent der abgegebenen Maßnahmenpläne erfüllen dies nicht vollumfänglich – zum Beispiel, weil spezielle Geschäftsmodelle innerhalb der bestehenden Systematik noch nicht vollständig abgebildet werden können. Es handelt sich aber auch um Maßnahmenpläne solcher Mitglieder, die in einigen Bereichen der Nachhaltigkeit bereits sehr fortschrittlich sind, sodass die Anforderung, ambitionierte Ziele zu formulieren, nicht erfüllt werden konnte. Für den Leiter des Bündnissekretariates, Dr. Jürgen Janssen, zeigt dies erwartungsgemäße Überarbeitungsbedarfe: „Die von den unterschiedlichen Akteursgruppen gemeinsam erarbeiteten Anforderungen wurden 2017 zum ersten Mal auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Das Textilbündnis ist daher ein lernendes System. Im Auftrag des Steuerungskreises haben die Facharbeitsgruppen im Bündnis daher bereits mit der Weiterentwicklung der Anforderungen begonnen.“

Der Fortschritt bei der Umsetzung der Ziele wird jährlich von externen Experten überprüft. „Damit erzeugen die Mitglieder des Textilbündnisses einen Schneeballeffekt: Jedes Jahr werden die Ziele ambitionierter und jedes Jahr setzen die Mitglieder über die gesamte Breite der Lieferkette eine Vielzahl von Verbesserungen um“, erläutert Jürgen Janssen den Prozess.

Ab 2018 ist die Veröffentlichung der Maßnahmenpläne Pflicht. In diesem Jahr haben sich bereits über 30 Mitglieder einer freiwilligen Veröffentlichung zugestimmt. Die Veröffentlichungen stehen ab der kommenden Woche auf der neu gestalteten Webseite des Bündnisses unter: www.textilbuendnis.com zur Verfügung.

Kontakt:

Bündnis für nachhaltige Textilien
Pressekontakt
T +49 228 4460-3484
E presse@textilbuendnis.com

Das Bündnis für nachhaltige Textilien:

Das Bündnis für nachhaltige Textilien ist eine Multi-Akteurs Partnerschaft aus Unternehmen, Verbänden, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Standardorganisationen sowie der Bundesregierung. Die Akteure haben sich 2014 zusammengeschlossen, um gemeinsam Verbesserungen entlang der gesamten Textil- Lieferkette durchzusetzen. Hierzu haben sie ambitionierte soziale und ökologische Ziele vereinbart. Mit Hilfe von individuellen Maßnahmen der Mitglieder und gemeinsamen Bündnisinitiativen in den Produktionsländern verfolgen die Akteure diese Ziele in der Praxis

Indikatoren und Schlüsselfragen zur Ausarbeitung der individuellen Roadmap

Indicators and Key Questions for the Formulation of Individual Roadmaps | ©Textilbündnis_Dr.K.Dobersalske_06_extern-klein

Als inhaltliche Grundlage des Review-Prozesses haben die drei Fach-Arbeitsgruppen Sozialstandards und existenzsichernde Löhne, Chemikalien- und Umweltmanagement sowie Naturfasern Schlüsselfragen und Indikatoren definiert, mit deren Hilfe die Mitglieder ihre Ausgangslage erheben. Auf Grundlage der individuellen Ausgangslagen sind alle Mitglieder verpflichtet eine individuelle Roadmap auszuarbeiten und dem Bündnissekretariat vorzulegen. Dafür stellt ihnen das Bündnissekretariat das Programm Textile Partnership Performance Tool (TexPerT) zur Verfügung. Ab nächstem Jahr wird es zudem verpflichtend, die Roadmaps zu veröffentlichen.

Die Schlüsselfragen und Indikatoren sind je nach Akteursgruppen unterschiedlich zusammengestellt:

Was ist jetzt besser als vor 3 Jahren?

Interview with Dr. Jürgen Janssen: What is better now than it was 3 years ago? | gemeinfrei
Interview mit Dr. Jürgen Janssen, Leiter Bündnissekretariat | © GIZ

Dr. Jürgen Janssen,
Leiter Bündnissekretariat

Dr. Jürgen Janssen: Eine ganze Menge: Erstmalig arbeiten die entscheidenden gesellschaftlichen Gruppen gemeinsam daran, den Textilsektor fairer und umweltverträglicher zu machen. Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften lernen voneinander, optimieren Prozesse und Geschäftspraktiken von Unternehmen hier in Deutschland und arbeiten in den Produktionsländern an konkreten Problemen, die keine der Gruppen alleine lösen kann. Dieser Dreiklang ist ein Novum!

Die rund 150 Mitglieder haben in diesem Jahr auch erstmalig Jahrespläne eingereicht und sich damit auf individuelle Ziele verpflichtet. Das macht 150 x Verbesserungen: – bei den Geschäftspraktiken, durch die Weiterbildung von Arbeiterinnen und Arbeitern oder auch im Management gefährlicher Chemikalien.

Geht das nicht alles viel zu langsam?

Janssen: Ich würde mir auch eine Alles-wird-gut-Taste wünschen, mit der ad hoc alle Probleme im Textilsektor gelöst sind. Aber die gibt es leider nicht. Ein Multistakeholder-Ansatz ist sicher nicht der schnellste Weg, aber in meinen Augen der effektivste und vor allem nachhaltigste. Klar ist aller Anfang schwer: Gemeinsame Ziele aushandeln, Kriterien festzurren, hinter denen sich niemand verstecken muss, die zugleich jeder mittragen kann, einen Mechanismus für die Zielformulierung und -überprüfung entwickeln, der ambitioniert und zugleich machbar ist – und das für alle Mitglieder und Unternehmenstypen – das sind Mammutaufgaben. Der erste Durchlauf für die Erstellung der Jahrespläne ist daher naturgemäß ein Lernprozess. In den Folgejahren werden die Prozesse leichtgängiger und die Schritte in die richtige Richtung größer und besser sichtbar sein.

Aber was kommt denn nun wirklich bei der Näherin an?

Janssen: Das ist tatsächlich nicht pauschal zu beantworten. Die Textil-Lieferkette ist komplex und Veränderungen dringen nicht sofort in jede Verästelung. Aber: Was wir jetzt mit dem Textilbündnis tausendfach anstoßen, wird wellenartig in das Gesamtsystem weitergegeben und langfristig spürbare Verbesserungen für alle bringen. Neben der strukturellen Veränderung des Gesamtsystems, die in der Tat ihre Zeit braucht, hat das Textilbündnis aber auch den Hebel der Bündnisinitiativen geschafften: Damit gehen mehrere Bündnismitglieder gemeinsam einzelne Probleme in Produktionsländern sofort an.

Kann man nicht einfach den Preis für ein T-Shirt erhöhen und dann ist das Problem gelöst?

Janssen: Leider nicht. Das ist ein strukturelles Problem, das auch wieder mit der Komplexität der Lieferkette zusammenhängt. Gerade bei Modebekleidung machen die Herstellungskosten oft nur einen kleinen Teil des Endpreises aus. Dazu kommen Design, Werbung, Kosten für Vorprodukte, Transportkosten und Steuern, Zwischenhändler und nicht zuletzt Kosten für Vertrieb und Verkauf in Deutschland. Der Preis eines T-Shirts ist damit leider auch kein guter Indikator für soziale und ökologische Produktion. Gute Hinweise dafür bieten glaubwürdige Siegel, zunehmend aber auch gute Informationen der Markenhersteller und Handelshäuser, die transparent über Herkunft und Produktionsbedingungen und ihre Aktivitäten berichten. Das Textilbündnis wird ab Juli 2017 die ersten Jahrespläne von Mitgliedern veröffentlichen. Auch dies ein wichtiger Schritt in Richtung sozial und ökologisch fairer Textilproduktion.

 

Das Interview mit Dr. Jürgen Janssen finden Sie auch auf Umweltdialog.de.

Entscheidung im Textilbündnis: Umsetzung der Bündnisziele beginnt 2017

Decision in the Textiles Partnership: Implementation of Partnership Goals Starts in 2017

Nach intensiven Verhandlungen hat sich der Steuerungskreis des Bündnisses für nachhaltige Textilien auf die nächsten Schritte zur Umsetzung der Bündnisziele durch die Mitglieder geeinigt. Er folgte damit den Empfehlungen der Facharbeitsgruppen, in denen 2016 fast 300 Expertinnen und Experten um die Umsetzungsanforderungen für 2017 gerungen hatten. Alle Mitglieder werden nun bis Anfang 2017 ihre individuellen Ziele vorlegen, die erste Überprüfung der Fortschritte findet dann 2018 statt. Weiterlesen