Online-Trainings zu Tierwohl in der Schafhaltung und Wollproduktion

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16.02.2021

Online-Trainings zu Tierwohl in der Schafhaltung und Wollproduktion

Im Dezember veranstalteten die Tierschutzorganisation FOUR PAWS und das niederländische Textilbündnis (Agreement on Sustainable Garment and Textiles, AGT) ein Training zu Tierwohl in der Schafhaltung. Aus dem Workshop sind drei Online-Trainings zur verantwortungsvollen Wollproduktion hervorgegangen. Die drei Videos richten sich an Textil- und Bekleidungsunternehmen.

Teil 1: Tierwohl in der Schafhaltung

Den Auftakt macht Rebecca Picallo Gil, Kampagnenleiterin und Projektmanagerin von Wool With a Butt bei FOUR PAWS. Sie führt ins Thema Tierwohl und Tierschutz in der Schafhaltung ein. Darüber hinaus werden Best Practices in der Wollproduktion aufgegriffen. Modemarken sollten nur Wolle beziehen, die von Schafen stammt, die ohne Mulesing (siehe Infokasten) gehalten werden.
Link zum Video (41 Minuten)

Teil 2: Beschaffung von Wolle bei Patagonia

Im zweiten Teil stellt Nicolas Allen, Senior Traceability und Animal Welfare Manager bei Patagonia, vor, welche Anforderungen die Outdoormarke an ihre Wolle stellt. Beispielsweise müssen alle Lieferanten von Schurwolle RWS-zertifiziert (Responsible Wool Standard) sein und den Patagonia Wool Standard (PWS) einhalten.
Link zum Video (31 Minuten)

Teil 3: Best Practices von der Schneider Group

Im dritten Teil des Online-Trainings stellt Willi Gallia die Arbeit der Schneider Group vor. Er ist Chief Sustainability Officer bei dem italienischen Familienunternehmen. Die Schneider Group beschafft, verarbeitet, handelt und produziert tierische Fasern, insbesondere Wolle und Kaschmir. Dabei verwendet die Firma ausschließlich Mulesing-freie Wolle und setzt auf Siegel wie RWS und GOTS.
Link zum Video (27 Minuten)

Tierwohl und Tierschutz​

Das Textilbündnis erkennt Schurwolle als nachhaltig an, wenn sich die Halter an die „Fünf Freiheiten“ halten und auf Mulesing ihrer Tiere verzichten. Alle Mitgliedsunternehmen, die Schurwolle verwenden, sind dazu verpflichtet, eine Policy zu veröffentlichen, in der sie Mulesing ablehnen: Sektorrisiko Tierwohl

Fünf Freiheiten​

Die Fünf Freiheiten wurden auf der Grundlage des Brambell-Berichts von 1965 definiert. Sie dienen zur Feststellung, ob und welche Tierschutzanforderungen erfüllt werden. Um eine international akzeptierte Grundlage für den Tierschutz in der Landwirtschaft zu schaffen, hat der Farm Animal Welfare Council (FAWC) 1993/94 fünf grundlegende Anforderungen veröffentlicht, die als die „Fünf Freiheiten“ bekannt geworden sind. Diese Anforderungen bilden heute unabhängig von den Tierschutzvorschriften des jeweiligen Landes eine wichtige Grundlage für Tierschutz. Sie stehen für die Ideale des Tierschutzes und sind so zu verstehen, dass die Tiere „so frei wie möglich von“ den in diesen Grundsätzen genannten Negativa zu halten sind.

  1. Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung. Die Tiere haben freien Zugang zu Wasser und erhalten artgerechte Nahrung zur Gewährleistung der Gesundheit und Vitalität
  2. Freiheit von Unbehagen: Die Tiere werden in einer tiergerechten Umgebung gehalten.
  3. Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit durch Prävention oder eine schnelle Diagnose und Behandlung.
  4. Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens: Die Halter sehen ausreichend Platz und artgerechte Einrichtungen vor und halten die Tiere zusammen mit Artgenossen.
  5. Freiheit von Angst und Leiden: Die Tiere werden so gehalten und behandelt, dass psychisches Leid vermieden wird.
Mulesing

Oft sind Schafe von einem starken Fliegenbefall betroffen. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, kam vor etwa neunzig Jahren ein chirurgisches Verfahren namens „Mulesing“ auf. Bei dieser Operation werden Schafen Teile der Haut rund um den Schwanz entfernt – in vielen Fällen ohne Schmerzmittel oder Betäubung. An der Wunde bildet sich glattes Narbengewebe, in dem Schmeißfliegen keine Eier mehr ablegen können. Mulesing wird von Tierschutzorganisationen stark kritisiert. In Neuseeland ist diese Praxis seit 2018 verboten. Die australischen Schafhalter wollten das Mulesing eigentlich bis 2010 auslaufen lassen, doch ist diese Praxis nach wie vor üblich. Die Alternative zum Mulesing bedeutet, dass die Tiere häufig begutachtet werden müssen, um festzustellen, ob Fliegenbefall vorliegt. Ist dies der Fall, muss das betroffene Tier behandelt werden. Diese Vorgehensweise ist deutlich arbeitsintensiver als das Mulesing.