Bündnisinitiative Tamil Nadu – Systemische Verbesserungen von Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie

Zielsetzung

Die Textilindustrie in Tamil Nadu ist von Verstößen gegen die Grundrechte der Arbeiter*innen entlang der gesamten Lieferkette gekennzeichnet. Gerade in den tieferen Stufen – wie in Spinnereien – stellen Überstunden, Unterdrückung von Gewerkschaften, fehlende Vereinigungsfreiheit und sexuelle Belästigung vor allem für die Mitarbeiterinnen vor Ort eine Gefahr dar. Zumeist mangelt es nicht an entsprechenden Gesetzen und Vorschriften, sondern an ihrer Einhaltung und Durchsetzung. Gründe hierfür sind das fehlende Wissen der Arbeiter*innen über ihre Rechte und das mangelnde Bewusstsein für Verstöße auf Seiten des Managements. Die Bündnisinitiative zielt darauf ab, die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie im südindischen Tamil Nadu systemisch zu verbessern und insbesondere die Situation von Frauen und Mädchen in Spinnereien sozialverträglicher zu machen. In enger Zusammenarbeit mit der indischen Multi-Stakeholder-Initiative Tamil Nadu (MSI-TN) sollen Veränderungen angestoßen werden.

Kurzbeschreibung

Gemeinschaftlich stoßen die Partner Veränderungen auf drei Ebenen an:

  • Ein Dialog zwischen den wesentlichen Akteursgruppen der lokalen Textilindustrie sensibilisiert für die Rechte der Arbeiter*innen.
  • Ein Schulungsprogramm begleitet die geplante Einrichtung von Beschwerdestellen in 300 Fabriken und informiert Arbeiter*innen und Management hinsichtlich Arbeitsrechte und Beschwerdemechanismen.
  • Arbeits- und Unterkunftsinspektionen werden durch Trainings für 40 staatliche Inspektoren verbessert und an internationale Standards angepasst.

Modul A: Dialog
Es wird ein regelmäßiger Austausch mit der indischen Regierung, der Wirtschaft (Fabriken und Vereinigungen), Nicht-Regierungs-Organisationen und Gewerkschaften sowohl auf Ebene des Bundesstaates als auch auf Ebene der vier Hauptproduktionsdistrikte Coimbatore, Dindigul, Erode und Tirupur angestoßen. Dieser soll dabei helfen, bei allen Anspruchsgruppen ein breites Nachhaltigkeitsverständnis zu verankern und gemeinsam Maßnahmen für soziale Verbesserungen im Textilsektor voranzutreiben. Dabei werden Dialogprozesse und -strukturen unter anderem durch die Bildung eines regelmäßig tagenden Steuerungskreises formalisiert und ausgebaut. Im Rahmen des Projektes werden überdies zwei große Jahreskonferenzen unter Beteiligung der Bündnismitglieder in Tamil Nadu sowie mindestens sechs Dialogsitzungen auf staatlicher Ebene veranstaltet.  Auf der jeweiligen Distriktebene werden alle zwei Monate Treffen stattfinden, an denen lokale Akteure aus dem privaten, öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Sektor teilnehmen.

Modul B: Trainings in Fabriken
Um die Einhaltung elementarer arbeits- und menschenrechtlicher Standards zu ermöglichen, muss sowohl das jeweilige Management für diese Standards sensibilisiert sein, als auch die Arbeiter*innen ihre Rechte kennen und Zugang zu Beschwerdemechanismen erhalten. In 300 Fabriken (primär Spinnereinen) werden umfangreiche Trainingsprogramme durchgeführt: Sowohl das Management als auch Arbeiter*innen werden über Beschwerdemechanismen, Arbeitsrechte und -standards informiert sowie gesetzlich vorgeschriebene Beschwerde- und Schlichtungs-gremien (Internal Complaints Committee (ICC), Grievance Redressal Committe (GRC)) eingerichtet und besetzt. Die in geheimer Wahl gewählten Mitglieder werden zusätzlich durch ein Kapazitätsaufbautraining geschult, wodurch eine langfristige Funktionalität und Effektivität der neu gebildeten Gremien gewährt werden soll. Durchgeführt werden die beschriebenen Trainingsprogramme von insgesamt 80 Trainer*innen aus 40 lokalen NROs, die im Rahmen eines „Training of Trainers“ die nötigen Kenntnisse und Qualifikationen erlangen, um anschließend selbst Trainings in Fabriken durchzuführen.

Modul C: Trainings von Inspektoren
In Zusammenarbeit mit der Regierung Tamil Nadus werden zusätzlich insgesamt 40 staatliche Arbeitsinspektor*innen geschult, um die Qualität der Prüfungen in Fabriken und Unterkünften der Arbeiter*innen zu verbessern.

Bisherige Ergebnisse

Nach vorbereitenden Gesprächen mit lokalen Vertreter*innen aller relevanten Akteursgruppen in Tamil Nadu – unter anderem im Rahmen eines gemeinsamen Workshops im September 2017 – hat die Umsetzung der genannten Aktivitäten im Juli 2018 begonnen.

Name:
Bündnisinitiative Tamil Nadu – Systemische Verbesserungen von Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie

Land/Region/Stadt:
Indien / Tamil Nadu

Projektbeginn und Laufzeit:
01.07.2018 – 29.02.2020

Projektpartner:
Hauptbeteiligte: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), FEMNET e.V., HUGO BOSS, KiK, Otto Group, Tchibo

Assoziierte Partner: TransFair e.V., Brands Fashion

Implementierungspartner: Multi-Stakeholder Initiative Tamil Nadu (MSI-TN), SAVE (Social Awareness and Voluntary Education)

Kontakt:
Hendrik Plein
+49 228 4460-1911
hendrik.plein@giz.de

Arbeiterin in einer Textil-Fabrik in Tamil Nadu.
© Textilbündnis / Christian Wollnik

Arbeiterin in einer Textil-Fabrik in Tamil Nadu.
© Textilbündnis / Christian Wollnik