Aus der Praxis – Projekte unserer Mitglieder

Eine runde Sache – die weltweit erste Jeans, die im Kreislauf bleibt

Angesichts eines Wachstums der Weltbevölkerung von 1.5 Milliarden Menschen in den nächsten 11 Jahren steuern wir auf die Überlastung natürlicher Ressourcen zu. Ein Lösungsansatz ist das Prinzip Cradle to Cradle (C2C) (von der Wiege bis zur Wiege): Ziel ist es dabei, möglichst nur Produkte und Materialien zu verwenden, die für Gesundheit und Umwelt unbedenklich sind und die daher dem Produktionszyklus im Sinne einer Kreislaufwirtschaft erneut zugeführt werden können. Dementsprechend werden Überlegungen zu Wiederverwendung und Recycling bereits im Design mitbedacht. Das Cradle to Cradle Products Innovation Institute hat hierfür das Cradle to Cradle (C2C) CertifiedTM Produktprogramm entwickelt, das Textilprodukte und Materialien im Hinblick auf geschlossene Lebenszyklen bewertet und zertifiziert.

2017 produzierte C&A mit Fashion for Good zunächst als weltweit erster Textileinzelhändler T-Shirts mit der Cradle to Cradle CertifiedTM Gold-Zertifizierung. 2018 gelang dasselbe auch mit einem komplexen Produkt: der weltweit ersten Denim-Jeans mit Cradle to Cradle CertifiedTM Gold-Zertifizierung. Zuvor waren neue Lieferanten und Fabriken ausgewählt sowie Materialien und Bestandteile einzeln geprüft, zertifiziert oder weiterentwickelt worden. Seit August 2018 ist die Jeans bei C&A erhältlich.

Kreisverkehr statt Einbahnstraße: Der Cradle-to-Cradle-Ansatz

Bis 2030 wird die Weltbevölkerung neun Milliarden Menschen erreichen. Um die Bedürfnisse einer wachsenden Bevölkerung zu befriedigen, werden die Belastungsgrenzen der Natur weiter strapaziert. Ressourceneffizienz und nachhaltiges Umweltmanagement sind daher wichtige Themen des Textilbündnisses.

Ein Lösungsansatz ist das Prinzip Cradle to Cradle (C2C) – zu Deutsch: von der Wiege bis zur Wiege. Bei diesem Ansatz werden die Wiederverwendung und das Recycling bereits im Design neuer Produkte mitbedacht. So werden bei der Textilproduktion möglichst nur Materialien verwendet, die sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt unbedenklich sind. Dies umfasst den Einsatz von Chemikalien, Wasser und Energie bei der Herstellung, die Materialverwertung und die sozialen Bedingungen bei allen Beteiligten. So entstehen Produkte, die dem Produktionszyklus immer wieder zugeführt werden können, sodass keine Abfälle mehr anfallen und wertvolle Ressourcen erhalten bleiben.

C&A will diesen Ansatz entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette zur Norm machen. Um diesen Anspruch zu verwirklichen, ist C&A eine Partnerschaft mit der Initiative Fashion for Good eingegangen, die von der C&A Foundation gegründet wurde. Zudem hat C&A als weltweit erster Textileinzelhändler T-Shirts und Jeans mit der Cradle to Cradle CertifiedTM Gold-Zertifizierung auf den Markt gebracht. Der Produktstandard Cradle to Cradle CertifiedTM, vom Cradle to Cradle Products Innovation Institute entwickelt, ist weltweit der einzige Standard, der sich zum Ziel gesetzt hat, ganzheitlich die Kreislauffähigkeit eines Produktes zu bewerten. Dabei werden alle Aspekte der Produktherstellung berücksichtigt – von der Beschaffung der Rohstoffe über den Einsatz von Chemikalien, Wasser oder Energie bei der Herstellung bis zu den sozialen Bedingungen in der Wertschöpfungskette.

2017 haben C&A und Fashion for Good zunächst zwei in Indien ansässige Bekleidungshersteller bei der Entwicklung und Produktion von zwei T-Shirts mit Cradle to Cradle CertifiedTM Gold-Zertifizierung begleitet. 2018 folgten in enger Zusammenarbeit mit einem Hersteller in Bangladesch die Entwicklung und Produktion eines komplexeren Produkts – einer Denim-Jeans.

Ein Ansatz, der sich auszahlt

Bis Ende 2018 hat C&A mehr als zwei Millionen Kleidungsstücke mit Cradle to Cradle CertifiedTM Zertifizierung einer breiten Produktpalette in den Verkauf gebracht. Dies hat in der Branche Anreize zur Nachahmung gesetzt.

Das Projekt kommt gut an – nicht nur bei den C&A-Mitarbeiter*innen. Auch von NGOs, Universitäten und Medien gibt es positive Resonanz zur Cradle to Cradle CertifiedTM Zertifizierung. Dass die C&A-Kund*innen es zu schätzen wissen, spiegelt sich im Erfolg der nachhaltigeren #WearTheChange-Kollektion von C&A wider.

Der Ansatz lässt sich damit auch gut für die Nachhaltigkeitskommunikation nutzen. Die begleitende Medienkampagne positioniert C&A als innovatives Unternehmen mit hoher Verantwortung für Mensch und Umwelt.

„Unser Ansatz basiert auf der Idee, dass wir unsere Branche von einem Modell des ,Herstellens, Tragens und Entsorgens‘ zu einem Modell führen müssen, in dem jedes Bekleidungsprodukt für sein nächstes Leben konzipiert ist. Wir rufen die Modebranche auf, sich uns anzuschließen und die Art und Weise, wie wir Jeans herstellen, zu verändern. Folgen Sie unserem Beispiel und nutzen Sie die gewonnenen Erkenntnisse.“

Jeffrey Hogue, Chief Sustainability Officer, C&A

Erfahrungen und Empfehlungen

  • Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung der Jeans mit Cradle to Cradle CertifiedTM Gold-Zertifizierung war die Komplexität des Lieferantennetzwerks. C&A musste jeden einzelnen Lieferanten von dem Vorhaben überzeugen.
  • Das Vorhaben stellte einige Anforderungen an die beteiligten Lieferanten. Grundsätzlich sollten sie Interesse an Nachhaltigkeit haben und eine gute Erfolgsbilanz im Sozial- und Umweltmanagement vorweisen können. Wichtig sind auch eine innovative Denkweise und die Bereitschaft, selbst Ressourcen in das Projekt zu investieren.
  • Aufwendig war auch die Analyse der zahlreichen Chemikalien, die bei der Produktion eingesetzt werden. Einzelne Bestandteile wie etwa biologisches Nähgarn mussten speziell optimiert werden.
  • Eine weitere Voraussetzung für den Projekterfolg besteht darin, ganzheitlich aktiv zu werden. In der Cradle-to-Cradle-Philosophie wird dies in den sogenannten „Five Goods“ zusammengefasst: gute Materialien, gute Wirtschaft, gute Energie, gutes Wasser und gutes Leben.
  • C&A möchte andere Unternehmen motivieren, kreislauffähige Produkte auf den Markt zu bringen. Darum haben C&A und Fashion for Good einen „Werkzeugkasten“ veröffentlicht. Dieses Toolkit enthält zum einen den weltweit ersten Leitfaden zur Herstellung einer Cradle-to-Cradle-zertifizierten Denim-Jeans. Zum anderen spezifiziert ein „Almanach“ alle Materialien und Inhaltsstoffe, die derzeit Cradle-to-Cradle-zertifiziert und auf dem Markt verfügbar sind. Beide Dokumente sind auf der Webseite des Bündnisses für nachhaltige Textilien auf der Fallbeispielseite von C&A als Download verfügbar.

Video: C2C – The Story So Far

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Überblick

HandlungsfeldCircular Fashion, nachhaltige Produkte
ProjektpartnerC&A
Fashion for Good
Cradle to Cradle Products Innovation Institute
Hersteller in Bangladesch
RegionBangladesch (Herstellung)
Europa, Brasilien (Verkauf)
ProjektlaufzeitSeit 2018

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