FAQ

Zehn Fragen und Antworten zum »Bündnis für nachhaltige Textilien«
„Bündnis für nachhaltige Textilien“ – was ist das und welche Ziele hat es?

Im „Bündnis für nachhaltige Textilien“ – kurz „Textilbündnis“ – haben sich über 180 Unternehmen, Organisationen und Ministerien zusammengeschlossen. Sie treten gemeinsam für nachhaltigere Produktionsbedingungen von Textilien ein. Zum Bündnis gehören neben Unternehmen auch Nichtregierungsorganisationen, Verbände, Gewerkschaften, Bundesministerien sowie wissenschaftliche Institutionen und Organisationen, die Standards für die Textilindustrie entwickeln.
Das gemeinsame Ziel: soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette. Die Idee dahinter: Wo ein einzelnes Unternehmen oder eine einzelne Organisation nichts erreicht, können viele Mitglieder zusammen etwas bewegen. Denn sie können Synergien vor Ort nutzen, voneinander lernen und gemeinsam bessere Rahmenbedingungen in den Produktionsländern erreichen.

Warum wurde das Bündnis gegründet?

Spätestens als am Morgen des 24. April 2013 das Rana Plaza in Bangladesch einstürzte und über tausend Textilarbeiterinnen unter sich begrub, rückten die sozialen und ökologischen Missstände in der weltweiten Textilproduktion auf tragische Weise ins öffentliche Bewusstsein. Zwar engagieren sich verantwortungsvolle Unternehmen, Gewerkschaften, Initiativen und die deutsche Entwicklungspolitik bereits seit Jahren für bessere Produktionsbedingungen. Doch es bleibt noch viel zu tun.
Aus diesem Anlass berief Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller im Mai 2014 den Runden Tisch der Textil- und Bekleidungsindustrie, des Handels, der Gewerkschaften und Zivilgesellschaft ein. Daraus entstand am 16. Oktober 2014 das Bündnis für nachhaltige Textilien. Seine Mitglieder arbeiten gemeinsam an Lösungen für die sozialen und ökologischen Probleme der Textilproduktion.

Was bringt ein Engagement im Textilbündnis?

Im Textilbündnis bündeln die Mitglieder ihre Einzelaktivitäten, tauschen ihre Erfahrungen aus und erarbeiten gemeinsame Lösungen. Dadurch lässt sich nicht nur mehr auf dem Weg zu einer nachhaltigen Textilbranche erreichen – es ist auch effizienter und kostengünstiger als im Alleingang.
Zudem schafft die Zusammenarbeit vergleichbare Wettbewerbsbedingungen für die Beteiligten. Wenn sich beispielsweise alle Mitglieder auf eine Liste von Chemikalien festlegen, die in der Produktion vermieden werden müssen, ist das eine wettbewerbsneutrale Lösung.

Wie finanziert sich das Textilbündnis?

Das Bündnissekretariat, das die Zusammenarbeit aller Mitglieder im Textilbündnis koordiniert, wird bis Ende 2018 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Für die Folgefinanzierung werden derzeit verschiedene Modelle geprüft, die die Arbeit des Bündnisses dauerhaft sichern. Konkrete Aktivitäten in den Produktionsländern werden die Bündnismitglieder gemeinsam umsetzen und finanzieren.

Wie viele Mitglieder hat das Bündnis?

Mit mehr als 180 Mitgliedern (Stand Mitte 2016) erreicht das Bündnis in Deutschland eine Marktabdeckung nach Umsatz von 55 Prozent (bezogen auf die 100 umsatzstärksten Unternehmen des Textileinzelhandels in Deutschland). Die aktuelle Mitgliederliste ist auf der Homepage des Textilbündnisses zu finden.

Wie arbeitet das Textilbündnis konkret?

Die Mitglieder wählen aus ihrer Mitte Vertreterinnen und Vertreter für den Steuerungskreis des Bündnisses. Er entscheidet auf Grundlage der von Expertinnen und Experten in Fachgruppen erarbeiteten Empfehlungen über das konkrete Vorgehen. Zurzeit arbeiten Fachgruppen Aktivitäten zu folgenden Themen:

  • Sozialstandards und existenzsichernde Löhne
  • Einsatz/Verbot von Chemikalien
  • Anbau und Nutzung von Naturfasern
  • Review-Prozess: Berichts- und Überprüfungsmaßnahmen
  • Umsetzung und Internationalisierung
Sind die Mitglieder verpflichtet, gemeinsam erarbeitete Ziele des Bündnisses umzusetzen?

Ja, denn mit ihrer Beitrittserklärung verpflichten sich die Mitglieder verbindlich, die im Aktionsplan definierten Ziele des Bündnisses zu verfolgen. Allerdings ist der Fahrplan für jedes Mitglied anders. Damit trägt das Textilbündnis der Tatsache Rechnung, dass sich die Mitglieder von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus auf den Weg machen. Jedes Mitglied muss jedoch für sich darlegen, wie und bis wann es die jeweiligen Ziele konkret umsetzen wird.

Wie wird gemessen, ob ein Bündnisziel erreicht wurde?

Der Fortschritt wird von einer unabhängigen Instanz überprüft. Wie dieser sogenannte Review-Prozess im Detail ausgestaltet wird, erarbeiten die Bündnismitglieder derzeit in einer Fachgruppe.

Werden die Textilien der Mitgliedsunternehmen jetzt unter besseren Bedingungen hergestellt als vor Gründung des Bündnisses?

Seit Februar 2016 entwickelt eine eigene Arbeitsgruppe die ersten konkreten Initiativen des Bündnisses – etwa zur Bekämpfung von Zwangsarbeit oder zu existenzsichernden Löhnen. Die Auswirkungen lassen sich derzeit noch nicht beurteilen. Bereits jetzt engagieren sich jedoch schon zahlreiche Mitglieder des Textilbündnisses vielfältig für Verbesserungen in der internationalen Textilproduktion – beispielsweise im develoPPP.de-Programm des BMZ. Eine Aufgabe des Bündnisses ist es, die Öffentlichkeit über diese Arbeit und über konkrete Veränderungen zu informieren.

Kann eine deutsche Initiative wie das Textilbündnis Verbesserungen der weltweiten Textilbranche erreichen?

Nachhaltigkeitsstandards in globalen Lieferketten können letztlich nur international umgesetzt werden. Deutschland ist zwar einer der wichtigsten Märkte für Mode und Textilien, doch auch der Einfluss deutscher Akteure ist begrenzt.
Deshalb ist die Internationalisierung ein wichtiges Anliegen des Textilbündnisses. Dafür setzt sich auch das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) bei Partnern in der EU und bei internationalen Organisationen ein. Die Bundesregierung hat das Thema Sozial- und Umweltstandards während ihrer G7-Präsidentschaft 2015 ins Zentrum der internationalen Diskussion gerückt.

Will das Textilbündnis Produktionsstätten wieder zurück nach Europa verlagern?

Dem Textilbündnis geht es nicht darum, die Produktion von bestimmten Standorten abzuziehen, sondern die Arbeitsbedingungen überall zu verbessern. Das Bündnis bevorzugt keine Produktionsländer. Einige Mitglieder produzieren in Deutschland oder Europa. Asien ist jedoch branchenweit Hauptproduktionsstandort.
Zudem ist die Textilbranche für Länder wie Bangladesch ein wichtiger Wirtschaftszweig, in dem in den vergangenen Jahren Arbeitsplätze entstanden sind und der es vor allem Frauen ermöglicht, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften.