COVID-19 Update
Auswirkungen auf die Textil-Lieferkette
Überblick

Die COVID-19-Krise hat weitreichende Konsequenzen für die globale Textil- und Bekleidungsindustrie und stellt die Unternehmen der Branche und ihre Mitarbeiter*innen vor immense Herausforderungen.

Wir stellen Ihnen hier Leitlinien für Unternehmen zur Verfügung, zeigen Ihnen, wo Sie weitere Informationen finden und geben einen Überblick über die Lage in den Produktionsländern

Wie wirkt sich der Ausbruch von COVID-19 auf die textile Lieferkette aus?

In der ersten Phase des COVID-19-Ausbruchs war vor allem China betroffen. Vielerorts wurde die Produktion temporär eingestellt. Da China ein wichtiger Produzent von Rohstoffen für die Textilproduktion ist, hat dies in anderen Ländern zu Materialknappheit geführt, zum Beispiel in Myanmar und Kambodscha. Infolgedessen mussten auch dort bereits einige Betriebe die Produktion herunterfahren oder ganz einstellen.

In der jetzigen zweiten Phase führen die Geschäftsschließungen in den Ländern des Konsums – wie hier in Deutschland – dazu, dass zahlreiche Modeunternehmen und Einzelhändler in ihrer Existenz bedroht sind. Die Ware, die bereits in den Läden vorrätig ist, kann nicht verkauft werden. Gleichzeitig müssen laufende Kosten bezahlt werden, was bei ausbleibenden Einnahmen finanzielle Engpässe hervorruft.

Um Liquiditätsengpässen entgegenzuwirken, haben einige Marken- und Handelsunternehmen laufende Aufträge für Neuware bereits storniert und/oder halten neue Aufträge zurück. Dies wiederum bringt Textilfabriken in existenzielle Schwierigkeiten. Bereits produzierte Ware wird nicht abgenommen und das Material für neue Aufträge bleibt liegen. Letztlich hat dies auch Auswirkungen auf Betriebe in der tieferen Lieferkette, wie Spinnereien und Färbereien.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Coronavirus auch in den Produktionsländen ausbreitet. Somit müssen auch in dortigen Produktionsstätten Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko einer Ansteckung für Arbeiter*innen zu senken. In einigen Ländern, wie zum Beispiel Indien, verordnete die Regierung bereits, die Produktion für einen gewissen Zeitraum einzustellen. Da in den meisten Produktionsländern staatliche Sicherheitsnetze fehlen, bricht mit dem Lohnausfall und dem Ausbleiben von Entschädigungszahlungen für viele Arbeiter*innen die Lebensgrundlage weg.

Welche Risiken und negativen Auswirkungen birgt der COVID-19-Ausbruch für die Arbeiter*innen in den Textilfabriken?
Lohn- und Sozialleistungen: es drohen Lohnausfälle und Entlassungen
  • Wenn Fabriken aufgrund von stornierten oder ausbleibenden Aufträgen Bankrott gehen erhalten Arbeiter*innen keinen Lohn und keine Abfindungszahlungen.

  • Arbeiter*innen drohen Arbeitsplatzverlust oder Lohnausfälle, wenn sie selbst erkranken, die Produktion aufgrund ausbleibender Aufträge eingestellt oder heruntergefahren wird oder Fabriken durch staatliche Verordnungen geschlossen werden müssen.

  • Selbst wenn Fabriken gesetzlich gefordert sind, die Arbeiter*innen in dieser Zeit weiter zu bezahlen, ist dies in der Praxis nicht immer der Fall.

  • In vielen Produktionsländern fehlen soziale Sicherungsnetze, die diesen Lohnausfall kompensieren können. All das hat in der Vergangenheit bereits mehrfach zu sozialen Unruhen geführt.

  • In vielen Ländern ist es gängige Praxis, Stücklohn zu zahlen. Dabei erhalten Arbeiter*innen anders als bei der Bezahlung nach Arbeitsstunden einen festen Betrag pro produziertem Kleidungsstück. Können sie nicht arbeiten, erhalten sie daher auch keinen Lohn.

  • Leiharbeiter*innen sind von dieser Situation besonders bedroht – sie sind häufig die ersten, die entlassen werden.

Gesundheit und Sicherheit: die Gefahr der Ansteckung ist hoch
  • Die Gefahr der Ansteckung in den Produktionsstätten ist hoch: Arbeitsplätze haben häufig nur einen geringen Abstand zueinander, beim Schichtwechsel treffen viele Arbeiter*innen gleichzeitig aufeinander und es gibt oft keine sanitären Ausstattungen, um sich die Hände zu waschen. Gerade bei Akkordarbeit nach Stückzahl besteht das Risiko, dass Arbeiter*innen sich nicht die Zeit zum Hände waschen nehmen, selbst wenn Waschbecken oder sanitäre Anlagen vorhanden sind.

  • Häufig mangelt es den Arbeiter*innen an zuverlässigen Informationen – sie wissen nicht, was die Ausbreitung des Virus bedeutet.

  • Es ist anzunehmen, dass viele mit COVID-19 infizierte Arbeiter*innen mit wenig bis keinen Symptomen weiter zur Arbeit gehen werden – insbesondere, wenn sie keine eigene Krankenversicherung haben oder der Staat nicht für Tests aufkommt. Dies fördert die Ausbreitung des Virus.

  • Arbeiter*innen haben häufig keine Krankenversicherung. Im Krankheitsfall können sie sich keine Behandlung leisten.

  • In einigen Ländern wird der öffentliche Transport ausgesetzt. Das führt dazu, dass viele Arbeitsmigrant*innen aus ländlichen Regionen an Bahnhöfen oder Busstationen stranden, ohne Einkommen und ohne Bleibe. Das ist insbesondere für Frauen sehr gefährlich.

  • Teilweise bleibt es den Fabriken selbst überlassen, zu entscheiden, ob sie temporär schließen (so zum Beispiel in Bangladesch). Trotz des hohen Gesundheitsrisikos sehen sich viele Arbeiter*innen gezwungen, weiter zur Arbeit zu gehen, um ihr Einkommen zu sichern.

Arbeitszeit: Produktionsausfälle werden durch exzessive Überstunden kompensiert
  • In Fabriken, in denen es Produktionsausfälle gab, werden diese möglicherweise durch exzessive Überstunden wieder ausgeglichen, sobald Aufträge wieder platziert werden.

  • Gleiches gilt für Produktionsstätten, in denen Krankheitsausfälle durch andere Arbeiter*innen kompensiert werden müssen. Oder in Ländern, die sich bereits von einem größeren Ausbruch wieder erholen, wie zum Beispiel in China.

Wie unterstützt das Textilbündnis seine Mitglieder in dieser Situation?

Das Textilbündnis bietet seinen Mitgliedern Unterstützung in Form von regelmäßigen Updates und Austauschrunden, um aktuelle Entwicklungen gemeinsam zu bewerten und Synergien zu identifizieren. Das Sekretariat steht in engem Kontakt mit anderen Initiativen, um Informationen zusammenzutragen und gemeinsame Maßnahmen voranzutreiben, die dazu beitragen, die negativen Auswirkungen des COVID-19-Ausbruchs abzufedern.

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