COVID-19 Update
Auswirkungen auf die Textil-Lieferkette
Informationen zu einzelnen Produktionsländern

In diesem Abschnitt geben wir Ihnen einen Überblick zur Situation und Entwicklungen in den Haupt-Beschaffungsländern unserer Mitglieder. Pro Land finden Sie einen Steckbrief mit Angaben zum Lockdown, der Produktion sowie Regierungs- und weiteren Maßnahmen. Aufgrund der gemäßigten Lage aktualisieren wir derzeit monatlich. (Letzte Aktualisierung: 23.10.2020.)

Über die Echtzeit-Karte der Johns Hopkins Universität finden Sie eine Übersicht zu den aktuellen Zahlen der Corona-Infizierten pro Land.

Die Fair Wear Foundation bietet eine Übersicht verschiedener Nothilfefonds freier Träger für einzelne Länder.

Äthiopien
Aktuelle Situation

Lockdown: Am 8. April wurde ein Ausnahmezustand für 5 Monate ausgerufen. Größere Veranstaltungen sind verboten, Schulen und Restaurants geschlossen. Die Schulen werden für das kommende Schuljahr 2020/21 mit einer reduzierten Anzahl von Schülern wieder geöffnet. (Link) Äthiopien hat derzeit die höchste Anzahl von Corona-Fällen in Ostafrika (Link).

Produktion: Die Auswirkungen von COVID-19 auf den Sektor sind nicht in allen Produktkategorien gleich. Beispielsweise schneiden Firmen, die sich auf Sportartikel konzentrieren, besser ab im Vergleich zu Firmen, die formelle Kleidung anbieten (Link). Trotz COVID-19 erwirtschaftete Äthiopien im Laufe des Finanzjahres mehr als 171,7 Millionen USD im Textil- und Bekleidungssektor. Im Juli 2020 blieb die erwirtschaftete Summe nur knapp unter den Erwartungen (Link). Im August kam es laut Medienberichten zu einem starken Anstieg von positiven COVID-19 Fällen in einem Industriepark. (Link) Eine fortlaufende Studie, in der 5000 Arbeiterinnen zu den Auswirkungen von COVID-19 in der Bekleidungsindustrie befragt werden, zeigt folgende erste Ergebnisse:

  • 56% der Befragten sind noch erwerbstätig und 24% haben bezahlten Urlaub.
  • Von den Erwerbstätigen arbeiten 42% die gleiche Anzahl von Stunden.
  • Von denjenigen, die derzeit nicht arbeiten, hat fast niemand eine andere Arbeit finden können.
  • 81% der entlassenen Arbeitnehmer*innen würden gerne an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.
  • Die Arbeiter*innen sind gut über COVID-19 informiert.

Regierungsmaßnahmen: Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und die Regierung haben sich auf ein dreigliedriges Protokoll geeinigt, um Entlassungen während der Krise zu verhindern. (Link) Staatliche Subventionen haben es den Exporteuren der verarbeitenden Industrie ermöglicht, vom kostenlosen Schienenverkehr zu profitieren und die Kosten für die Exportlogistik zu senken. Die neue Strategie der Regierung für Industrieparks sieht zudem die Einrichtung von Produktionszentren zur Herstellung von PSA für inländische und ausländische Märkte vor. (Link)

Weitere Informationen: Im Juli veröffentlichte die ILO den Report „COVID-19 and the garment and textile sector in Ethiopia: Workers’ perspective“, basierend auf einer Befragung äthiopischer Bekleidungsproduzenten.

Bangladesch
Aktuelle Situation

Lockdown: Seit dem 31. Mai wurden die Lockdown Regelungen wieder gelockert. Die Regierung nahm die wirtschaftlichen Aktivitäten langsam wieder auf und Handelszentren, Märkte, Büros sowie der öffentliche Nahverkehr wurden wieder geöffnet. (Link) Angesichts des anhaltenden Anstiegs der Corona-positiven Fälle stehen jedoch einige Distrikte mit hoher Infektionsrate erneut unter einem Lockdown (Link). Seit dem 1. Juli gilt eine Ausgangssperre von 22:00 – 05:00 Uhr. (Link) Vom 4. bis 21. Juli wurde außerdem ein Gebiet in der Hauptstadt Dhaka unter Quarantäne gestellt. (Link)

Produktion: Am 4. Mai verkündeten die zuständigen Behörden, dass nach und nach weitere Fabriken geöffnet würden. (Link) Bekleidungsfabriken sollen jedoch geschlossen werden, sobald eine bedeutende Anzahl von Arbeiter*innen mit COVID-19 infiziert ist. (Link) Mehrere Audit-Teams der BGMEA prüfen die Gesundheits- und Sicherheitssysteme der Fabriken durch unangemeldete Fabrikbesuche. (Link) Arbeitnehmervertreter*innen berichten über zwangsweise Entlassungen von Beschäftigten nach dem Eid-Urlaub. (Link) Lokale Fabrikbesitzer berichten, dass die meisten von ihnen zu 80% ausgelastet sind, da die Einkäufer mit Arbeitsaufträgen zurückkehren. (Link) In etwa 600 Fabriken stehen die Lohnauszahlungen für den Monat Juni noch aus, weshalb es vermehrt zu Unruhen kommt. (Link) Am 31. Juli veröffentlichte das Journal of Public Health einen Bericht zu den Auswirkungen von COVID-19 auf Arbeiter*innen der Textilindustrie in Bangladesch. (Link) Außerdem veröffentlichte die Clean Clothes Campaign den Bericht „Un(der)paid in the pandemic: An estimate of what the garment industry owes its workers“. Nach diesem haben Textilarbeiter*innen aus Bangladesh durch COVID-19 im Zeitraum März bis Mai 2020 Lohnzahlungen in Höhe von 501 Millionen USD verloren. (LinkLink) Es wird berichtet, dass internationale Einzelhändler entweder keine Bestellungen aufgeben, Kaufentscheidungen hinauszögern oder starke Preissenkungen von etwa 15% fordern. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung kündigte Ende März ein Hilfspaket in Höhe von 590 Millionen USD (etwa 544 Millionen Euro) für die exportorientierte Industrie zur Bezahlung von Beschäftigten an. Am 15. April kündigte der Premierminister die Bereitstellung von 7,6 Mrd. Tk. (etwa 83 Millionen Euro) für Menschen, die infolge der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben, an. Das Finanzministerium wird außerdem Zinszahlungen für bis zu 500 Milliarden Tk. (etwa 5,4 Milliarden Euro) an Betriebsmittelkrediten subventionieren. (Link) Das Katastrophenschutzministerium hat beschlossen, das landesweite Programm zur Verteilung von Hilfsgütern vorerst auszusetzen. Dies wird damit begründet, dass die Menschen ihrer Arbeit langsam wieder nachgingen. (Link) Unternehmen, die ihre Beschäftigten derzeit nicht bezahlen, erhalten laut Arbeitsministerium kein Geld aus dem angekündigten Rettungspaket. (Link) Die COVID-19 Gesundheitsrichtlinie der Regierung empfiehlt, dass Arbeitgeber Mitarbeiter*innen mit Coronavirus-Symptomen bezahlten Kranken- oder Sonderurlaub gewähren sollten. (Link) Laut Arbeitsminister Begum Monnujan Sufian habe das Ministerium Tk84 crore aus seinem zentralen Fonds für das Wohlergehen der Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie im ganzen Land gespendet. (Link) Die Regierung will den aufgrund von COVID-19 entlassenen Textilarbeiter*innen monatlich 3.000 Taka (etwa 30 Euro) über den Zeitraum von drei Monaten zahlen. Das Hilfsprogramm wird getragen von dem Hilfspaket der EU sowie Deutschland (s.u.). (Link)

Weitere Entwicklungen: Verschiedene zivil-gesellschaftliche Akteure haben Spendenfonds zur Unterstützung von Arbeiter*innen eingerichtet (Link). Darunter befindet sich auch der Nothilfefonds für Textilarbeiter*innen in Indien und Bangladesch des Textilbündnismitglieds FEMNET e.V. Die Europäische Union stellt 93 Millionen Euro bereit, um die schätzungsweise eine Million Bekleidungsarbeiter*innen in Bangladesch zu unterstützen. Der Beitrag ist Teil des „Team Europe“ Hilfspakets in Höhe von 334 Millionen Euro zur Bekämpfung der Pandemie in Bangladesch. (Link)

Weitere Informationen

​​​​​​​Clean Clothes Campaign: Tägliche Updates zu länderspezifischen Entwicklungen in der textilen Lieferkette (Link)
Fair Labor Association: Kurzübersicht zu aktuellen Entwicklungen in Beschaffungsländern (Link)
Better Work: Kurze Übersicht zur Situation und den politischen Entscheidungen bezüglich Fabriken (Link)

Bulgarien
Aktuelle Situation

Lockdown: Bulgarien hat Mitte Mai mit der Lockerung der Einschränkungen begonnen. Der nationale Notstand, der seit dem 13. März galt, wurde am 13. Mai aufgehoben. (Link) Wegen stark steigender Corona-Zahlen hat die Regierung ab dem 10. Juli bereits aufgehobene Einschränkungen wieder eingeführt. (Link)

Produktion: Die Produktion wird in weiten Teilen und unter Gesundheits- und Sicherheitsvorkehrungen fortgeführt.

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung stellt 4,5 Milliarden BGN (etwa 2,4 Milliarden Euro) zur Unterstützung von Unternehmen bereit. Darunter fällt beispielsweise die Deckung von 60% des Lohns von Beschäftigten in den betroffenen Sektoren, die andernfalls entlassen worden wären, einschließlich der von den Arbeitgebern fälligen Sozialversicherungsbeiträge sowie der Aufschub von Zahlungen der Unternehmenssteuer bis zum 30. Juni. (Link)

China
Aktuelle Situation

Lockdown: Momentan gelten keine Lockdown-Maßnahmen. (Link)

Produktion: Nach Angaben des Nationalen Statistikbüros im April 2020 sank die Bekleidungsherstellung im Januar und Februar um 36,61 Prozent auf 2,51 Milliarden Teile gegenüber den gleichen Monaten des Vorjahres. Zudem schrumpfte der Inlandsverkauf von Bekleidung in diesem Zeitraum um 33,2 Prozent auf 110,3 Mrd. Renminbi (15,55 Mrd. USD). (Link) Die Bekleidungsexporte in die USA sind zwischen Januar und Juli im Vergleich zum Vorjahr um fast 50% zurückgegangen. (Link) Außerdem gibt ein Medienbericht von Sixth Tone Anfang Juni einen Einblick in die Herausforderungen, mit denen sich die Bekleidungsindustrie seit der Wiedereröffnung der Fabriken in Guangzhou konfrontiert sieht. Dem Artikel zufolge sehen sich Bekleidungsfabriken mit einem starken Auftragsrückgang, Verlust von Arbeitsplätzen und Existenzangst konfrontiert. (Link) Viele Fabriken in China haben ihre Produktion mit einem Schwerpunkt auf Masken und PPE-Produkten umgestellt. Durch die hohe weltweite Nachfrage dieser Produkte sind die Arbeitsbedingungen besonders intensiv,  Arbeiter*innen sind jedoch nicht entsprechend geschult und es kommt zu Unfällen. (Link) Zugleich sorgt die hohe Anzahl an Fabriken, die ihre Produktion auf Masken umgestellt haben, für erhöhte Konkurrenz und Qualitätsunterschiede. Es kommt zu Schließungen von Fabriken und teilweise zu Protesten von Arbeiter*innen, die fristlos gekündigt werden. Medienberichten zufolge sind die 290 Millionen Wanderarbeiter*innen Chinas am stärksten von der Krise getroffen. (Link) Um die Spannungen und die niedrige Nachfrage auszugleichen, haben die chinesischen Hersteller die Preise ihrer Produkte im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 30% gesenkt. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Die chinesische Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen beschlossen. So können Mieten, Steuern und Sozialabgaben gesenkt oder gestundet werden. Weiterhin können Unternehmen Kredite zu ermäßigten Zinssätzen beantragen. In Großstädten können Unternehmen, die keine Mitarbeiter entlassen oder die Entlassungen auf ein Minimum reduzieren, eine Rückerstattung der Arbeitslosenversicherungs-Prämien erhalten. (Link) Eine Nichtregierungsorganisation für Arbeitnehmerrechte berichtet, dass die Arbeitslosenquote in China auf 9% – 11% gestiegen und das Land mit ernsthafter Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. (Link)

Indien
Aktuelle Situation

Indien ist eines der Länder mit den meisten Corona-Fällen weltweit. Die Zahl der Neuinfektionen steigt sehr schnell. Insgesamt verzeichnet Indien seit dem Ausbruch der Pandemie mehr als 7 Millionen Corona-Fälle. (Link)

Lockdown: Seit Oktober gelten die sogenannten „unlock 5“-Regeln. Schulen dürfen prinzipiell wieder öffnen, wobei Online-Unterricht empfohlen wird. Veranstaltungen in der Öffentlichkeit sind mit bis zu 100 Personen außerhalb von Sperrzonen wieder erlaubt. Kinos sowie Schwimmbäder sind wieder geöffnet. Trotz dieser Lockerungen auf nationaler Ebene können die Staaten entscheiden, wie sie die Regeln umsetzen wollen. In den meisten indischen Bundesstaaten bleiben die Schulen geschlossen. Internationale Flüge bleiben eingeschränkt. (Link)

Produktion: Es wird geschätzt, dass im April mehr als 90 Millionen informelle Arbeitsplätze verloren gingen (Medienbericht). Einem kürzlich veröffentlichten Bericht der CCC über nicht gezahlte Löhne während der Pandemie zufolge verloren Arbeiter*innen in der indischen Hauptstadtregion (NCR) im April 95% ihrer Löhne. (Link) Viele Wanderarbeiter*innen können nicht zu den Fabriken in Tamil Nadu zurückkehren. Die Tirupur Exporters Association berichtet, dass die Produktion etwa 50% ihrer Kapazität erreicht hat (Link). Vor allem kleinere Bekleidungsunternehmen in Südindien kämpfen aufgrund des Mangels an Arbeitskräften mit der Wiederaufnahme der Produktion. (Link). Es wird geschätzt, dass zwar über 90% der Fabriken in Tirupur wieder in Betrieb sind, in anderen Gebieten, wie der Region Neu-Delhi, aber nur 60% derzeit geöffnet sind. Eine neue Umfrage, die auf persönlichen Interviews mit 25.300 Wanderarbeiter*innen basiert, untersucht die Auswirkungen des Lockdowns auf die Wanderarbeiter*innen (Link). Die Umfrage ergab:

  • 23% der Wanderarbeiter*innen kehrten zu Fuß nach Hause zurück;
  • 78% der Befragten gaben an, ihre Arbeit sei während des Lockdowns „vollständig zum Stillstand gekommen“ oder „weitgehend zum Stillstand gekommen“;
  • 23% der Befragten mussten sich während des Lockdowns Geld leihen;
  • 75% der Familien erlitten während des Lockdowns einen Einkommensrückgang

Medien weisen darauf hin, neben der verheerenden Situation der Migrant*innen sei auch die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen von Heimarbeiter*innen zu berücksichtigen.

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung kündigte Ende März ein 23 Milliarden USD schweres Hilfspaket an, das in den nächsten drei Monaten rund 800 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen soll. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass viele Wanderarbeiter*innen keinen Zugang dazu haben werden, da sie sich derzeit nicht in ihren registrierten Wohnorten befinden. (Link) Das Arbeitsministerium arbeitet zudem an einem Vorschlag zur Bereitstellung von Mindestmaßnahmen der sozialen Sicherung für Arbeiter*innen des unorganisierten Sektors (bspw. Vertragsarbeiter*innen). (Link) Am 14. Mai wurde die Verteilung kostenloser Lebensmittel für Migrant*innen angekündigt. Finanzministerin Nirmala Sitharaman sagte, Getreidelieferungen im Wert von 463 Millionen USD würden 80 Millionen Migrant*innen zugute kommen. (Link) Angesichts der Notlage von Wanderarbeiter*innen inmitten der COVID-19 Pandemie setzt sich der Ständige Ausschuss für Arbeit für einen Sozialversicherungsschutz mit gesetzlicher Absicherung ein. (Link) Die Zentralregierung hat damit begonnen, die Qualifikationen von Wanderarbeiter*innen in 30 Bezirken von Uttar Pradesh und Bihar zu erfassen, um ihnen eine Beschäftigung in der Nähe ihrer Heimatstädte zu ermöglichen (Link); die Regierung von Telangana kündigte an, dass sie ein spezielles Wohlfahrtssystem für Wanderarbeiter*innen einrichten wird. (Link)

In den vergangenen Monaten haben 13 indische Bundesstaaten Änderungen an geltenden Arbeitsgesetzen vorgenommen (bspw. die Erhöhung der Arbeitszeit von 8 auf 12 Stunden pro Tag). Die Bundesstaaten sehen die Änderungen darin begründet, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben nach dem Lockdown wieder erhöht werden müsse. Besonders graviered sind die Änderungen in den Bundesstaaten Madhya Pradesh, Uttar Pradesh und Gujarat. Während Madhya Pradesh einen Großteil der Bestimmungen des Factories Act anpasste, sehen die Verordnungen in Uttar Pradesh und Gujarat die Aussetzung fast aller Arbeitsgesetze vor. (Link) In den letzten zwei Monaten erließ die Regierung weitere Änderungen an Arbeitsgesetzen ohne die Gewerkschaften zu konsultieren. (Link) Teilweise auf internationalen Druck hin forderten der ständige Parlamentsausschuss sowie das Arbeitsministerium die Staaten auf, Änderungen des Arbeitsrechts zu vermeiden. Insbesondere Arbeitszeit-Änderungen werden vom Arbeitsministerium kritisiert, während über die Änderungen verschiedener anderer Arbeitsgesetze noch keine Entscheidung getroffen wurde. (Link)

Weitere Entwicklungen: Verschiedene zivil-gesellschaftliche Akteure haben Spendenfonds zur Unterstützung von Arbeiter*innen eingerichtet (Link). Darunter befindet sich auch der Nothilfefonds für Textilarbeiter*innen in Indien und Bangladesch des Textilbündnismitglieds FEMNET e.V.

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Indonesien
Aktuelle Situation

Lockdown: Indonesien setzte am 14.09.2020 einen zweiten partiellen Lockdown für Jakarta an, da die Virusinfektionsfälle ansteigen. (Link)

Produktion: Fabriken dürfen unter strengen Sicherheits- und Hygienevorschriften weiter operieren. Allerdings müssen Fabriken schließen, sobald Beschäftige an COVID-19 erkranken. Die meisten Produzenten haben die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten auf 15,6 Stunden pro Woche reduziert – womit Einkommensverluste einhergehen. (Link) Decent Work Check hat einen Schadensbericht über die Auswirkungen von COVID-19 auf Unternehmen und Arbeitnehmer in Indonesiens Bekleidungsindustrie veröffentlicht. (Link) Laut Statistics Indonesia (BPS) ist Indonesiens Textilindustrie im zweiten Quartal um 14% zurückgegangen, im Vergleich zur vorjährigen Wachstumsrate von 21%. (Link) Bei Demonstrationen gegen neu angekündigte Gesetze, die u.a. den Umweltschutz und Arbeitnehmerrechte schwächen und international kritisiert werden, wurden hunderte Demonstranten festgenommen. (Link)

Regierungsmaßnahmen: 8,1 Milliarden USD wurden zur Verfügung gestellt, um die Wirtschaft in Form von steuerlichen Anreizen zu fördern. (Link) Ein weiteres Konjunkturpaket von 1,4 Milliarden USD soll u.a. Steueraussetzungen und Lockerung von Kreditauszahlungen ermöglichen. (Link) Indonesien startete am 11. Mai 2020 das National Recovery Program. Das Programm wird auf 43 Milliarden US-Dollar geschätzt und umfasst u.a. Steuererleichterungen für die Industrie, Kapitalspritzen für staatliche Unternehmen und Liquiditätshilfen für den Bankensektor. (Link)

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Kambodscha
Aktuelle Situation

Lockdown: Es herrscht kein landesweiter Lockdown; in Phnom Penh wurden Schulen geschlossen und social distancing Maßnahmen verordnet.

Produktion: Nach Angaben des kambodschanischen Arbeitsministeriums haben 491 Fabriken im Textil- und Bekleidungssektor den Betrieb eingestellt und 81 dauerhaft geschlossen, was dazu geführt hat, dass rund 60.000 Arbeiter*innen ihren Arbeitsplatz dauerhaft oder vorübergehend verloren haben. Vielen anderen wurden die Arbeitszeiten reduziert. Es wird erwartet, dass die Armutsquote zum ersten Mal seit zwanzig Jahren ansteigen werde, da die Weltbank einen Rückgang der kambodschanischen Wirtschaft um 2% prognostiziert (die wirtschaftliche Schlüsselsektoren Tourismus, Einzelhandelsexport und Baugewerbe sind von der Pandemie stark betroffen). Ein neuer Bericht der UNDP fügt hinzu, dass sich die Zahl der Kambodschaner, die in diesem Jahr in Armut leben, auf 17,6% der Bevölkerung fast verdoppeln könnte, was bedeutet, dass 1,3 Millionen Kambodschaner in Armut leben könnten. (Link)

Eine Zunahme der Aufträge von US-Kunden für Textil-und Bekleidungsexporte wird voraussichtlich die wirtschaftliche Erholung Kambodschas unterstützen, obwohl die Asiatische Entwicklungsbank erklärt hat, dass die Verlangsamung im Bekleidungs- und Bausektor weiterhin ein Risiko für Kambodschas Wirtschaft darstellt. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Entlassene Mitarbeiter*innen der Textilindustrie erhalten 70 USD monatlich – 40 USD von der Regierung und 30 USD vom Arbeitgeber. Dies entspricht etwa einem Drittel des Mindestlohns. (Link) (Link). Medien berichten jedoch von neu entlassenen Arbeiter*innen, die keinerlei Unterstützung erhalten haben. (Link) Zudem müssen Arbeiter*innen in der verarbeitenden Industrie sechs Monate lang keine Einkommenssteuer zahlen. Das Arbeitsministerium hat am 8. Mai mit Soft-Skills-Trainings für 400 entlassene Arbeiter*innen  im Distrikt Mean Chey begonnen. (Link) Das von der Regierung finanzierte Bargeld-Programm, das eingeführt wurde, um armen und gefährdeten Haushalten inmitten der Coronavirus-Pandemie zu helfen, wird bis Ende September verlängert. (Link) Medienberichten zufolge haben jedoch viele Familien und Arbeiter*innen noch immer keine Hilfen erhalten. (Link)

Weitere Entwicklungen: Die japanische Regierung unterstützte Kambodscha im Juni 2020 über das United Nations Office for Project Services (UNOPS) mit einer Nothilfe, die medizinischen Hilfsgütern und technische Unterstützung im Wert von mehr als 6,3 Millionen USD umfasst. (Link) (Link) Am 11. Juni veröffentlichte die EU zudem eine Presseerklärung, in der sie erklärte, dass sie Kambodscha mit rund 504 Millionen USD in Form von Zuschüssen und Darlehen im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie unterstützen und bei der Abmilderung der sozioökonomischen Auswirkungen helfen werde. (Link) Medienberichten zufolge soll der Mindestlohn in der Bekleidungsbranche nach Lohnverhandlungen zwischen der Regierung, den Herstellern und den Arbeitnehmervertreter*innen ab dem nächsten Jahr auf 192 US-Dollar angehoben werden. (Link)

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Myanmar
Aktuelle Situation

Lockdown: Nach bestandener Inspektion durch das Gesundheitsministerium können Schulen seit dem 21. Juli wieder öffnen. (Link) Große Versammlungen sowie internationale Flüge sind untersagt. (Link) In mehreren Regionen, u.a. Yangon, Mandalay and Nay Pyi Taw hat die Regierung das Tragen von Gesichtsmasken angeordnet. (Link) (Link) Seit dem 21. September gibt es in der Region Yangon erneut einen Lockdown. Dies hat unter anderem für Arbeiter*innen in CMP-Fabriken zur Konsequenz, dass es ihnen im Zeitraum vom 25. September bis zum 7. Oktober nicht erlaubt ist, zur Arbeit zu gehen. (Link) In Mandalay, wo viele Bekleidungsfabriken angesiedelt sind, tauchen vermehrt COVID-19-Fälle auf. Vorerst lässt die Regierung die Fabriken offen, es wurde jedoch eine nächtliche Ausgangssperre bis zum 31. Oktober verhängt. (Link)

Produktion: Seit Anfang Mai können Fabriken ihre Arbeit wieder aufnehmen, wenn  sie die Inspektion zur Einhaltung der COVID-19-Bestimmungen der Regierung bestanden haben. (Link) Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Myanmar Trade Promotion Organisation (MTPO) gibt bekannt, dass der Tourismussektor sowie die Textilindustrie, die von der COVID-19 Pandemie am stärksten betroffenen Sektoren Myanmars sind. (Link) Laut eines Berichtes der internationalen Wohltätigkeitsorganisation Action Aid haben etwa 60.000 Beschäftigte in der Textilindustrie in Myanmar (davon 90% Frauen) seit Beginn der COVID-19-Pandemie ihre Arbeit verloren. Eine Befragung lokaler Arbeiter*innen der Bekleidungsindustrie Myanmars ergab zudem, dass viele Arbeiter*innen unsicheren Arbeitsbedingungen und unzureichendem Schutz ausgesetzt sind. (Link) Außerdem nutzen einige Bekleidungsfabriken laut der Thomas Reuters Foundation und BHRRC die COVID-19 Pandemie um gegen Gewerkschaften vorzugehen. So entließ die Bekleidungsfabrik Myanmar Myan Mode Ende März bspw. 571 Arbeiter*innen, von denen 521 Gewerkschaftsmitglieder waren. Der offizielle Grund dafür sei, wie die Fabrik angab, ein Auftragsrückgang aufgrund von COVID-19. Die Entlassungen sollen jedoch nur wenige Stunden nach der Forderung mehrer Gewerkschaftsvertreter*innen nach einem verstärkten Schutz für Arbeiter*innen gegen Infektionen mit COVID-19, erfolgt sein. (Link) Textilfabriken haben im August nur 20 bis 25 Prozent der Aufträge im Vergleich zum Vorjahr 2019 erhalten. Aufgrund der zurückgehenden Auftragslage planen einige Fabriken die Reduzierung von Arbeitskräften bzw. eine vorübergehende oder komplette Schließung. (Link) Das BIP ist aufgrund der Auswirkungen von COVID-19 auf 1,8% gefallen. Dennoch sagt die Asian Development Bank ein Wachstum auf 6% in 2021 vorher. In ihrer Vorhersage schließt die Asian Development Bank jedoch den Textilsektor aus. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung hat einen COVID-19 Fonds in Höhe von 70 Millionen USD eingerichtet, um u.a. die Textilindustrie zu unterstützen. Es wurde außerdem eine Verlängerung der Einkommens- und Gewerbesteuerzahlungsfrist sowie eine Befreiung von der 2-prozentigen Einkommenssteuervorauszahlung auf Exporte bis zum Ende des Finanzjahres beschlossen. (Link). 

Weitere Entwicklungen: Im April hat die EU einen  Nothilfefonds in Höhe von 5 Millionen Euro eingerichtet, um Arbeiter*innen im Bekleidungssektor Myanmars zu unterstützen. Dieser ist Teil eines größeren Beitrags (25 Millionen USD) des Livelihoods and Food Security Fund (LIFT), der EU, der USA sowie Australien.

Weitere Informationen

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Nordmazedonien
Aktuelle Situation

Lockdown: Nordmazedonien verabschiedete einen Drei-Phasen-Plan zur Lockerung der Coronavirus-Sperre. Die erste Phase umfasst die Wiedereröffnung von Unternehmen und die allmähliche Lockerung der Mobilität im ganzen Land. Die zweite Phase wird die Wiedereröffnung einiger Betriebe unter empfohlenen Maßnahmen und strengen Arbeitsprotokollen im Hinblick auf die Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 ermöglichen. In der dritten Phase wird die Wiedereröffnung aller Arbeitsstätten unter Hygiene- und Social-Distancing-Vorschriften erlaubt. (Link) Die Regierung hat Anfang Juni einen Lockdown für den Städten Skopje, Shtip, Tetovo und Kumanovo angeordnet. (Link)

Produktion: Am 28. Mai gab es zwei Krankheitsfälle unter Textilarbeiter*innen in der Stadt Shtip, woraufhin die Fabrik geschlossen wurde. Am 1. Juni wurde beschlossen fünf weitere Bekleidungsfabriken zu schließen und alle Beschäftigten zu testen. (Link) Der Bekleidungs- und Textilsektor macht den größten Teil der nationalen Exporte Nordmazedoniens aus. Laut der Fair Wear Foundation sind der Textilsektor und die Tourismusindustrie die am stärksten von COVID-19 betroffenen Sektoren in Nordmazedonien. Dies geht aus einer Umfrage der Employers Association of Macedonia zu den Auswirkungen der COVID-19 Pandemie in Nordmazedonien hervor. 85% Prozent der Befragten gaben an, dass das Verkaufsvolumen aufgrund stornierter Orders von ausländischen Einkäufern stark abnahm.

Regierungsmaßnahmen:  Die Regierung unterstützt Unternehmen bei Gehältern. Darüber hinaus werden ermäßigte Kredite vergeben sowie die Ratenzahlung reduziert und die staatliche Bürgschaft für kommerzielle Kredite und Zollschulden übernommen. Um der Textilindustrie zu unterstützen hat die Regierung 1 Million EUR zugesagt, um eine digitale Plattform zu schaffen, auf der die Unternehmen ihre Produkte anbieten können. (Link)

Pakistan
Aktuelle Situation

Lockdown: Seit dem 8. Juli unterliegen Pakistans 30 Städte  einem smart lockdown, um die weitere Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. (Link) Die Regierung hat den partiellen Lockdown aufgehoben, trotz Warnungen von Ärzten (Link, Link). Pakistan plant, ab dem 15. September stufenweise alle Ausbildungseinrichtungen wieder zu öffnen. (Link) In der Region Kashmir wurden Lockdown-Maßnahmen eingeführt, um die steigenden Infektionszahlen und Verstöße gegen Gesundheitsrichtlinien einzudämmen. (Link)

Produktion: Teile der Textilindustrie konnten bereits vor Ende des Lockdown die Produktion wieder aufnehmen. Auch in Punjab und Sindh, die beiden am schlimmsten betroffenen Provinzen, wurde nun die Wiedereröffnung der Bekleidungsindustrie genehmigt. (Link) Eine große Zahl von Fabrikarbeiter*innen und Tagelöhner*innen verschiedener Industrieeinheiten protestieren gegen die Nichtzahlung von Löhnen und Zwangsentlassungen. (Link) Die Arbeiteraufstände wegen ungezahlter Löhne für bis zu 4-5 Monate dauern an. (Link) Berichten der Clean Clothes Campaign zufolge hat Al Karam Textile, eine von Pakistans größten Fabriken, illegalerweise 577 Arbeitnehmer entlassen. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung genehmigt jeweils 3000 Rs (etwa 17 Euro) für sieben Millionen Tagelöhner sowie 200 Milliarden Rs (etwa 1,2 Milliarden Euro) für Exporteure. (Link)

Weitere Entwicklungen: Zwei von Pakistans Produzentenvereinigungen, All Pakistan Textile Mills Association (APTMA) und Pakistan Readymade Garments Exporters & Manufacturers Association (PRGMEA), drängen die Regierung zu Steuersenkungen, Reduzierung von Energiekosten sowie zielgerichteten Subventionsmaßnahmen, da die Industrie weiterhin gegen die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie ankämpft. (Link)

Weitere Informationen

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Portugal
Aktuelle Situation

Lockdown: Der „state of emergency“ wurde am 3. Mai von Pre­mier­mi­nis­ter Antó­nio Cos­ta beendet. Es folgt nun eine schrittweise Lockerung der Lockdown Maßnahmen. (Link) Aufgrund steigender Infektionen und Todesfälle gelten ab dem 1. Juli in Teilen des Großraums Lissabon erneut Lockdown Regelungen. (Link)

Produktion: Textil- und Bekleidungsfabriken arbeiten derzeit mit reduzierten Kapazitäten und unter strikten Sicherheitsvorkehrungen. Einige Fabriken haben aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr vorübergehend geschlossen. Beschäftigte erhalten weiterhin ihren Lohn, es ist jedoch unklar, wie lange dies garantiert werden kann. (Link) Portugals Textil- und Bekleidungsindustrie hat sich inmitten der COVID-19-Pandemie aufgrund ihrer Flexibilität und ihrer Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen als widerstandsfähiger als die Konkurrenz erwiesen. Staatliche Unterstützungsprogramme haben den Fabriken und Unternehmen geholfen, zu überleben und sich zudem auf die Produktion nach der COVID-19-Pandemie vorzubereiten. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung kündigt ein 9,2 Milliarden-Euro-Paket an, um Arbeitnehmer*innen zu unterstützen und den von der Epidemie betroffenen Unternehmen Liquidität zu verschaffen. (Link)

Weitere Informationen

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Rumänien
Aktuelle Situation

Lockdown: Ab 15. Mai wird der Ausnahmezustand, der seit dem 23. März galt, durch den weniger restriktiven Alarmzustand ersetzt.  Am 16. Juli wurde der Alarmzustand zum zweiten Mal für einen Zeitraum von 30 Tagen verlängert. Die Restriktionen werden schrittweise alle zwei Wochen entsprechend der epidemiologischen Entwicklung gelockert. (Link) Mit erhöhter Mobilität beginnen die COVID-19-Fallzahlen seit Anfang August wieder stark zu steigen. (Link) Der Leiter der Abteilung für Notfallsituationen des Landes (DSU) verkündete jedoch, dass ein Lockdown für das komplette Land sehr unwahrscheinlich sei, aber für einzelne Regionen oder Städten verhängt werden könnte. (Link)

Produktion: Produktionsbetrieben wurde die Arbeit nicht verboten, sie sind jedoch verpflichtet, erweiterte Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. (Link) Medienberichten zufolge wurden viele Arbeiter*innen der Textil-und Bekleidungsindustrie in Rumänien während der Pandemie weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt. Bei der Firma TANEX, die für berühmte Marken wie Massimo Dutti, Lancome, Ted Baker, JOOP, Sandro, Max Mara und andere produziert, erhielten die Arbeiter*innen nur etwa 140 € pro Monat für ihre Arbeit in Vollzeit. Auch andere arbeitsrechtlichen und Menschenrechtsverletzungen fanden in den letzten Monaten während der Pandemie statt, wie zum Beispiel die Nichtzahlung von obligatorischen Sozialversicherungsbeiträgen, Überstundenzahlungen und die Zahlungen von Abfindungen in den Fabriken. (Link)

Regierungsmaßnahmen: In einem ersten Maßnahmenpaket hat die rumänische Regierung unter anderem beschlossen, dass Arbeitgeber*innen staatliche Unterstützung für die Bezahlung ihrer Arbeitnehmer*innen erhalten. Beschäftigte erhalten eine Entschädigung von 75 Prozent des Grundgehalts.

Tunesien
Aktuelle Situation

Lockdown: Tunesien hat am 4. Mai mit einer stufenweisen Lockerung der Lockdown-Maßnahmen begonnen. (Link) Seit dem 27. Juni sind die Grenzen in Tunesien wieder geöffnet. (Link)

Produktion: Die Industrie darf ihre Produktion mit der Hälfte der Mitarbeiter*innen wieder starten, wenn der Transport durch das Unternehmen gewährleistet wird. (Link)  Der tunesische Bekleidungssektor entwickelt einen Wiederaufbauplan für die Zeit nach COVID-19. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung kündigte ein Hilfspaket in Höhe von 850 Millionen USD an, um die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu begrenzen. 450 Millionen USD sollen an besonders einkommensschwache Familien gehen, die aufgrund der Krise ihre Jobs verloren haben. Die Regierung plant zudem, die 1,5 Millionen Beschäftigten im privaten Sektor mit einem Beitrag von jeweils 70 USD zu unterstützen, während der restliche Lohn vom Arbeitgeber aufgebracht wird. (Link) Darüber hinaus hat Finanzministerium den Solidaritätsfund 1818 errichtet, in den schon einige Firmen Spenden eingezahlt haben.

Weitere Entwicklungen: Tunesien erhält zudem finanzielle Unterstützung von externen Akteuren. Der International Monetary Fund (IMF) stimmte einem Kredit in Höhe von 745 Millionen Dollar zur Verteilung an nordafrikanische Länder zu; die EU unterstützt Tunesien mit 250 Millionen Euro; Italien mit 50 Millionen Euro. (Link)

Türkei
Aktuelle Situation

Lockdown: Die Türkei hat die meisten öffentlichen Plätze am 1. Juni wieder geöffnet. Restaurants, Cafés, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Strände, Parks, Bibliotheken und Museen sind im ganzen Land wieder geöffnet. (Link)

Produktion: Textil- und Bekleidungsfabriken dürfen weiterhin operieren. Aufgrund der Stornierungen mussten einige Fabriken jedoch vorübergehend schließen. (Link) Die Kapazitätsauslastungsrate der Textilindustrie fiel von 84,9% im Februar auf 47,1% im April. (Quelle: Webinar FLA)  Laut Exporteursverbad (ITKIB) sanken die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 16,5 % im Zeitraum Januar bis Juli. (Link) Medien berichten, dass laut des türkischen Statistikinstituts die Bekleidungsexporte aus der Türkei in der ersten Hälfte des Jahres 2020 um über 20% zurückgegangen sind.

Regierungsmaßnahmen: Präsident Erdogan kündigte ein Hilfspaket in Höhe von 15,4 Milliarden USD an, um die wirtschaftlichen Auswirkungen zu begrenzen. Es sieht unter anderem Verzögerungen bei Kreditrückzahlungen sowie Steuersenkungen in verschiedenen Sektoren, darunter auch der Textilsektor, vor. (Link)

Weitere Informationen

Fair Labor Association: Kurzübersicht zu aktuellen Entwicklungen in Beschaffungsländern (Link)

Vietnam
Aktuelle Situation

Lockdown: Anfang Mai begann Vietnam mit der Lockerung der strengen social distancing Regeln. (Link) Nachdem der erste Todesfall im Zusammenhang mit COVID-19 am 31. Juli veröffentlicht wurde (Link), leitet die Regierung in den Epizentren eine strikte Quarantäne ein. (Link)

Produktion: Die Vietnam National Textile and Garment Group (Vinatex) verzeichnet Rückgänge von 15% und 25% bei den Umsätzen und Profiten. (Link) Die International Labour Organisation (ILO) berichtet, dass etwa 1 von 4 Textilarbeiter*innen in Vietnam im Zuge der COVID-19-Pandemie arbeitslos geworden ist. VITAS (Viet Nam Textile and Apparel Association) und Lefaso (Viet Nam Leather, Footwear and Handbag Association) zufolge, sind mehr als 1 Millionen Textilarbeiter*innen arbeitslos geworden, während andere Lohneinbußen von 40% in Kauf nehmen mussten. Infolgedessen ist eine Reihe von Streiks in den Fabriken ausgebrochen. (Link) Der National Wage Council hat der Regierung geraten, den Mindestlohn bis Ende 2021 beizubehalten, statt ihn, wie zuvor geplant, anzuheben, da die Unternehmen von COVID-19 stark betroffen sind. (Link) Fast alle Fabriken in Vietnam sind wieder offen und produzieren, allerdings bei deutlich geringerer Auslastung. (Link) Das General Statistics Office (GSO) hat einen Bericht über die Auswirkungen von COVID-19 auf Arbeit und Anstellung im dritten Quartal 2020 veröffentlicht. Der Bericht zeigt auf, dass 31,8 Millionen Menschen im Alter von 15 Jahren oder älter durch COVID-19 negativ beeinträchtigt wurden: Durch Entlassungen, Beurlaubungen, gekürzte Arbeitszeiten oder Einkommensverluste. (Link)

Regierungsmaßnahmen: Die Regierung plant eine Reihe von Anreizen, um die Auswirkungen abzuschwächen (Steuervergünstigungen, verzögerten Steuerzahlungen & Landnutzungsgebühren). (Link) Der Ständige Ausschuss der Nationalversammlung verabschiedete darüberhinaus ein Geldtransferpaket in Höhe von 36 Milliarden VND (etwa 1,4 Milliarden Euro), welches über drei Monate  u.a. ärmeren Haushalten, Empfänger*innen von Sozialprogrammen sowie Beschäftigten, die vorübergehend nicht mehr arbeiten oder unbezahlten Urlaub genommen haben, zugutekommt. (Link) Die meisten der betroffenen Unternehmen und Arbeitnehmer*innen berichten jedoch, dass sie keinen Zugang zum Unterstützungspaket der vietnamesischen Regierung erhalten haben. (Link)

Weitere Informationen

Clean Clothes Campaign: Tägliche Updates zu länderspezifischen Entwicklungen in der textilen Lieferkette (Link)
Fair Labor Association: Kurzübersicht zu aktuellen Entwicklungen in Beschaffungsländern (Link)
Better Work: Kurze Übersicht zur Situation und den politischen Entscheidungen bezüglich Fabriken (Link)

Weitere Länderinformationen

Weitere Informationen zu den Entwicklungen in den Produktionsländern finden Sie auch bei:

Darüber hinaus organisiert das GIZ-Regionalvorhaben FABRIC derzeit die Online-Workshop-Reihe „Getting through this crisis together“ zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die asiatische Textil- und Bekleidungsindustrie.

In zehn Online-Workshops von jeweils 60-90 Minuten diskutieren Branchenexpert*innen über Chancen und Herausforderungen auf dem Weg durch die Krise und tauschen Erfahrungen aus. Das Format hat zum Ziel, Interessensvertreter*innen der Industrie zusammenzubringen, darunter asiatische Produzenten und Zulieferer, Produzentenverbände, Markenunternehmen, zivilgesellschaftliche Akteure sowie internationale Organisationen, um die Lage vor Ort zu analysieren und Synergien sowie Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu identifizieren.   

Ansprechpartnerin: Alexandra Behns (GIZ)

1. Session „The Impact of the Crisis on Producers and Workers: Voices from Asia” (29. April, 10 Uhr CET): Dieses Webinar konzentrierte sich auf die allgemeinen Auswirkungen der Pandemie auf die Textil- und Bekleidungsindustrie, insbesondere in Bangladesch, Kambodscha, Myanmar, Pakistan und China. Drei Vertreter*innen teilten ihre Erfahrungen aus Sicht von Arbeitnehmer, Produzenten und regionalen Vereinigungen. Für die Aufzeichnung des Online-Seminars nutzen Sie bitte das Passwort: Webinar1.

2. Session „The Impact of the Crisis: The Brands‘ Perspective“ (12. Mai, 10 Uhr CET): Im zweiten Webinar werden die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie aus Sicht der Markenunternehmen diskutiert. Neben Maren Barthel, Direktorin des Technologieanbieters ELEVATE, referieren unter anderem Mathias Diestelmann, Geschäftsführer des Bündnisunternehmens Brands Fashion sowie Jürgen Janssen, Leiter des Bündnissekretariats. Zur Aufzeichnung des Online-Seminars.

3. Session “How can factories bounce back from COVID-19?“ (02. Juni, 13 Uhr CET): Das dritte Webinar befasst sich mit der Widerstandsfähigkeit der Unternehmen in der Krise. Dr. Raymond Robertson (Direktor, Mosbacher Institute for Trade, Economics, and Public Policy, Texas A&M University), Nicole Chu (Direktorin Corporate Compliance, Sabrina Fashion Industrial Corporation) und Kim van der Weerd (Autorin und ehemals General Manager in einer Textilfabrik) diskutieren mögliche Schritte zur Bewältigung der Krise, einschließlich Partnerschaften, Produktion, Managementsysteme, Finanzierung und Möglichkeiten der Wiedereröffnung von Fabriken. Sehen Sie sich hier die Aufzeichnung des Online-Seminars an.

4. Session “Sustainability: How to stay on course during COVID-19?“ (Dienstag, 16. Juni, 13 Uhr CET): Das vierte FABRIC-Webinar findet in Kooperation mit der Sustainable Apparel Coalition (SAC) statt, die die Ergebnisse einer Befragung der Mitgliedsunternehmen zu COVID-19 vorstellen wird. Anschließend diskutieren Eranthi Premaratne (Director Facilities, SAC), Matthew Guenter (Senior Environmental Sustainability Manager, TAL Apparel Limited) und Vijay N. Suvarna (Sustainability & Compliance, Asiatan/TecTuff) die Auswirkungen auf Fabriken und insbesondere auf die Sicherheit der Arbeiter*innen. Es geht auch darum, wie Fabriken und andere Stakeholder der Industrie sich auch in Krisenzeiten für Nachhaltigkeit engagieren können und was dies für Instrumente wie den Higg-Index des SAC und die Art und Weise seiner Umsetzung in der gesamten Branche bedeutet. Aufzeichnung des Online-Seminars

5. Session “COVID-19 and Beyond: Making Gender Equality a Reality” (Dienstag, 30. Juni, 13 Uhr CET): Das fünfte Webinar befasst sich mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Beschäftigten im Textil- und Bekleidungssektor in Asien aus der Gender-Perspektive.  Nazma Akter (Awaj Foundation), Scott Deitz (Convene Communication Strategies) und Elly Rosita Silaban (KSBSI) werden Erkenntnisse aus Bangladesch und Indonesien austauschen und Strategien erörtern, mit denen sichergestellt werden kann, dass die Geschlechterfrage bei der Erholung von COVID-19 an vorderster Stelle steht. Sie werden auch über die sozialen und wirtschaftlichen Vorteile einer geschlechtergerechten Geschäftstätigkeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie sprechen. Aufzeichnung des Online-Seminars

6. Session “Workers Voices: The Impact of COVID-19 on Garment Workers” (Dienstag, 14. Juli 2020, 12 Uhr CET): Das sechste Webinar befasst sich mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Beschäftigten im Textil- und Bekleidungssektor in Asien. Wie hat sich ihr Leben unter COVID-19 verändert? Wie haben sie den Ausbruch der Pandemie und die Auswirkungen auf ihre Branche in ihrem Privat- und Berufsleben erlebt? Was sind ihre Ängste und Sorgen? Was wollen sie der Außenwelt mitteilen? Unter anderem werden Inhalte veröffentlicht, die von Arbeiterinnen und Arbeitern in der Bekleidungsindustrie in Myanmar und Kambodscha vorbereitet wurden und die ihre Sicht der gegenwärtigen Situation darstellen. Zudem werden Erkenntnisse von lokalen Gewerkschaftsführer*innen und einem internationalen Forscher über globale Arbeitnehmerrechte geteilt und Lösungen vorgestellt, die sowohl für die Arbeiterinnen und Arbeiter als auch für die Fabriken funktionieren können. Aufzeichnung des Online-Seminars

7. Session „What changes can suppliers expect from their clients in Europe and how can they manage financial risks?” (Donnerstag, 13. August 2020, 10 Uhr CET): Fokus des siebten Seminars ist die Frage, wie Lieferketten liquide bleiben können. Die beiden Bündnisunternehmen H&M und Orsay geben einen Einblick über die sich verändernde Diskussion innerhalb des Modeeinzelhandels in Bezug auf Nachhaltigkeit und Einkauf. Die Diskussion wird sich mit möglichen Veränderungen in der Markenzentrale sowie in den Beziehungen zwischen Einkaufsteams und Herstellern befassen, mit der Frage, was Lieferanten von Marken und Einzelhändlern erwarten können, wenn sie neue Aufträge erteilen, und wie sie sicherstellen können, dass die Partner der Lieferkette finanziell gesund bleiben.  Aufzeichnung des Online-Seminars

8. Session „How can social dialogue help us get through the crisis together?” (Mittwoch, 26. August 2020, 11 Uhr CET): Die 8. Session nimmt den sozialen Dialog als eine Schlüsselkomponente starker Beziehungen in den Fokus. Wie sieht angesichts der herausfordernden Situation durch COVID-19 eine effiziente Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber*innen und Angestellten aus? Im Seminar erfahren Sie, wie Hersteller und Gewerkschaften zusammengearbeitet und Vereinbarungen getroffen haben, welche Richtlinien und Rahmenbedingungen sie für den Dialogprozess verwendet haben, welche Rolle Marken und Einzelhändler dabei spielen und welche Vorteile sie aus dem Engagement und der Zusammenarbeit untereinander gezogen haben.

9. Session „Making Strategic Choices to Stay Competitive In and After COVID-19” (Dienstag, 15. September, 11:00 Uhr CET): Produzenten berichten über verschiedene Strategien, um in schwierigen Zeiten wettbewerbsfähig zu bleiben. Aktuelle Daten aus den Produktionsländern vermitteln ein besorgniserregendes Bild der Textil- und Bekleidungsindustrie. Zwar gehen Aufträge ein, aber es besteht immer noch Ungewissheit über bevorstehende Käufe. Um die Liquidität zu sichern, stellten viele Fabriken auf die Herstellung von Schutzausrüstung um, was zu einer raschen Sättigung des Marktes führte. Dieses Seminar stellt alternative Wege für die Branche vor, sei es durch Digitalisierung, die Erschließung neuer Märkte oder die Hinwendung zur Nachhaltigkeit. Zur Aufzeichnung

10. Session „How is COVID-19 changing the Digital Landscape for the Textile and Garment Industry?” (Dienstag, 27. Oktober, 10:00 Uhr CET): Wegen COVID-19 haben etliche Unternehmen Trainingsprogramme für Arbeiter*innen, Audits und andere Aktivitäten reduziert oder ganz eingestellt. Sie suchen nach Möglichkeiten, diese Maßnahmen mit digitalen Tools aus der Ferne zu ersetzen. Bei der 10. Session werden zwei digitale Lösungen vorgestellt, eine für Fabrik-Trainings und die andere zum Chemikalienmanagement.  Mehr Informationen und Registrierung