Indikatoren und Schlüsselfragen zur Ausarbeitung der individuellen Roadmap

Indicators and Key Questions for the Formulation of Individual Roadmaps | ©Textilbündnis_Dr.K.Dobersalske_06_extern-klein

Als inhaltliche Grundlage des Review-Prozesses haben die drei Fach-Arbeitsgruppen Sozialstandards und existenzsichernde Löhne, Chemikalien- und Umweltmanagement sowie Naturfasern Schlüsselfragen und Indikatoren definiert, mit deren Hilfe die Mitglieder ihre Ausgangslage erheben. Auf Grundlage der individuellen Ausgangslagen sind alle Mitglieder verpflichtet eine individuelle Roadmap auszuarbeiten und dem Bündnissekretariat vorzulegen. Dafür stellt ihnen das Bündnissekretariat das Programm Textile Partnership Performance Tool (TexPerT) zur Verfügung. Ab nächstem Jahr wird es zudem verpflichtend, die Roadmaps zu veröffentlichen.

Die Schlüsselfragen und Indikatoren sind je nach Akteursgruppen unterschiedlich zusammengestellt:

Was ist jetzt besser als vor 3 Jahren?

Interview with Dr. Jürgen Janssen: What is better now than it was 3 years ago? | gemeinfrei
Interview mit Dr. Jürgen Janssen, Leiter Bündnissekretariat | © GIZ

Dr. Jürgen Janssen,
Leiter Bündnissekretariat

Dr. Jürgen Janssen: Eine ganze Menge: Erstmalig arbeiten die entscheidenden gesellschaftlichen Gruppen gemeinsam daran, den Textilsektor fairer und umweltverträglicher zu machen. Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften lernen voneinander, optimieren Prozesse und Geschäftspraktiken von Unternehmen hier in Deutschland und arbeiten in den Produktionsländern an konkreten Problemen, die keine der Gruppen alleine lösen kann. Dieser Dreiklang ist ein Novum!

Die rund 150 Mitglieder haben in diesem Jahr auch erstmalig Jahrespläne eingereicht und sich damit auf individuelle Ziele verpflichtet. Das macht 150 x Verbesserungen: – bei den Geschäftspraktiken, durch die Weiterbildung von Arbeiterinnen und Arbeitern oder auch im Management gefährlicher Chemikalien.

Geht das nicht alles viel zu langsam?

Janssen: Ich würde mir auch eine Alles-wird-gut-Taste wünschen, mit der ad hoc alle Probleme im Textilsektor gelöst sind. Aber die gibt es leider nicht. Ein Multistakeholder-Ansatz ist sicher nicht der schnellste Weg, aber in meinen Augen der effektivste und vor allem nachhaltigste. Klar ist aller Anfang schwer: Gemeinsame Ziele aushandeln, Kriterien festzurren, hinter denen sich niemand verstecken muss, die zugleich jeder mittragen kann, einen Mechanismus für die Zielformulierung und -überprüfung entwickeln, der ambitioniert und zugleich machbar ist – und das für alle Mitglieder und Unternehmenstypen – das sind Mammutaufgaben. Der erste Durchlauf für die Erstellung der Jahrespläne ist daher naturgemäß ein Lernprozess. In den Folgejahren werden die Prozesse leichtgängiger und die Schritte in die richtige Richtung größer und besser sichtbar sein.

Aber was kommt denn nun wirklich bei der Näherin an?

Janssen: Das ist tatsächlich nicht pauschal zu beantworten. Die Textil-Lieferkette ist komplex und Veränderungen dringen nicht sofort in jede Verästelung. Aber: Was wir jetzt mit dem Textilbündnis tausendfach anstoßen, wird wellenartig in das Gesamtsystem weitergegeben und langfristig spürbare Verbesserungen für alle bringen. Neben der strukturellen Veränderung des Gesamtsystems, die in der Tat ihre Zeit braucht, hat das Textilbündnis aber auch den Hebel der Bündnisinitiativen geschafften: Damit gehen mehrere Bündnismitglieder gemeinsam einzelne Probleme in Produktionsländern sofort an.

Kann man nicht einfach den Preis für ein T-Shirt erhöhen und dann ist das Problem gelöst?

Janssen: Leider nicht. Das ist ein strukturelles Problem, das auch wieder mit der Komplexität der Lieferkette zusammenhängt. Gerade bei Modebekleidung machen die Herstellungskosten oft nur einen kleinen Teil des Endpreises aus. Dazu kommen Design, Werbung, Kosten für Vorprodukte, Transportkosten und Steuern, Zwischenhändler und nicht zuletzt Kosten für Vertrieb und Verkauf in Deutschland. Der Preis eines T-Shirts ist damit leider auch kein guter Indikator für soziale und ökologische Produktion. Gute Hinweise dafür bieten glaubwürdige Siegel, zunehmend aber auch gute Informationen der Markenhersteller und Handelshäuser, die transparent über Herkunft und Produktionsbedingungen und ihre Aktivitäten berichten. Das Textilbündnis wird ab Juli 2017 die ersten Jahrespläne von Mitgliedern veröffentlichen. Auch dies ein wichtiger Schritt in Richtung sozial und ökologisch fairer Textilproduktion.

 

Das Interview mit Dr. Jürgen Janssen finden Sie auch auf Umweltdialog.de.

Entscheidung im Textilbündnis: Umsetzung der Bündnisziele beginnt 2017

Decision in the Textiles Partnership: Implementation of Partnership Goals Starts in 2017

Nach intensiven Verhandlungen hat sich der Steuerungskreis des Bündnisses für nachhaltige Textilien auf die nächsten Schritte zur Umsetzung der Bündnisziele durch die Mitglieder geeinigt. Er folgte damit den Empfehlungen der Facharbeitsgruppen, in denen 2016 fast 300 Expertinnen und Experten um die Umsetzungsanforderungen für 2017 gerungen hatten. Alle Mitglieder werden nun bis Anfang 2017 ihre individuellen Ziele vorlegen, die erste Überprüfung der Fortschritte findet dann 2018 statt. Weiterlesen

Meilenstein gesetzt – Textilbündnis startet in nächste Etappe

Textilbündnis, Members’ Meeting 2016 | © GIZ

Die Mitgliederversammlung am 22. und 23. November 2016 ist wegweisend und der offizielle Startschuss für die nächsten Schritte im Textilbündnis. Jedes Mitglied startet mit einem konkreten Umsetzungsplan ins neue Jahr. Die Maßnahmen sind verpflichtend und werden extern verifiziert. So werden Fortschritte transparent und überprüfbar. Damit kommt das Bündnis seinem Ziel ein großes Stück näher, mehr Nachhaltigkeit in der Textil-Lieferkette zu erreichen – beispielsweise durch existenzsichernde Löhne, besseren Arbeitsschutz oder den Verzicht auf giftige Chemikalien.

Wo wollen wir hin? Wo stehen wir? Wie kommen wir voran? Antworten auf diese Fragen wird der sogenannte „Review-Prozess“ geben, den das Textilbündnis im Laufe dieses Jahres zur Überprüfung des eigenen Fortschritts entwickelt hat. Um ihre Ausgangslage festzustellen, müssen alle Mitglieder zunächst bis Ende Januar 2017 Schlüsselfragen beantworten, beispielsweise zur Verwendung von Naturfasern, dem Einsatz von Chemikalien oder der Förderung existenzsichernder Löhne in Produktionsbetrieben. Auf dieser Basis formulieren die Bündnismitglieder in den kommenden Monaten individuelle Ziele und starten mit der Umsetzung. Zur Unterstützung wird auf der Mitgliederversammlung ein eigens vom Textilbündnis entwickeltes IT-Tool gestartet. 2017 steht also ganz im Zeichen der Umsetzung. Im Jahr darauf werden die Mitglieder berichten, inwieweit sie ihre Roadmap-Ziele erreicht haben. Alle haben außerdem einer externen Evaluation durch einen unabhängigen Dienstleister zugestimmt.