Statements zum Einsatz von Bio-Baumwolle

Esprit Europe Services GmbH

Weshalb hat sich Ihr Unternehmen entschieden, Bio-Baumwolle zu kaufen?

„Herkömmliche Baumwollanbaumethoden erfordern oft große Mengen an Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln. Diese können negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Bio-Baumwolle hingegen wird ohne Pestizide oder synthetische Düngemittel und nach strengen Standards angebaut. Deshalb erweitern wir unser Sortiment an Bio-Baumwolle in unseren Kollektionen stetig.“

Welche Bio-Baumwollziele haben Sie sich gesetzt?

„Wir möchten bis Juli 2021 ausschließlich nachhaltig produzierte Baumwolle beziehen. Als nachhaltig produzierte Baumwolle bezeichnen wir Better Cotton, Bio-Baumwolle und recycelte Baumwolle. Ein wesentlicher Anteil unserer Baumwolle soll bis 2021 aus Bio-Anbau oder aus recycelten Altkleidern und Produktionsabfall kommen.“

Was änderte sich im Einkauf und Produktentwicklung durch die Entscheidung Biobaumwolle einzukaufen? Welches waren die wichtigsten Schritte, um Nachverfolgbarkeit in der Lieferkette herzustellen?

„Je früher der Einsatz von Bio-Baumwolle in der Produktenwicklung berücksichtigt wird, desto besser. So können Lieferanten Kapazitäten einplanen und haben genügend Zeit, Biobaumwolle zu beschaffen.
Esprit-Produkte, die 20% oder mehr Bio-Baumwolle im Oberstoff enthalten, werden mit einem entsprechenden „Organic“-Infotag versehen. Deshalb legen wir großen Wert auf die Einhaltung der sogenannten „Chain of Custody“ (Beweismittelkette). Sie stellt sicher, dass alle Betriebe in unserer Lieferkette mit dem Organic Content Standard (OCS) oder Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert sind. Hier haben wir zu Beginn die Erfahrung gemacht, dass zwar viele unserer nominierten Stofflieferanten eine Zertifizierung vorweisen konnten, die Konfektionäre jedoch nicht. Bei der Auswahl mussten wir strategisch vorgehen und haben uns für Lieferanten entschieden, bei denen wir größere Mengen produzieren lassen können, sodass die Zertifizierungskosten und der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis stehen.
Zudem hat es im Austausch mit unseren Lieferanten geholfen, dass wir seit 2017 selbst mit dem Organic Content Standard zertifiziert sind und somit glaubwürdig unsere Strategie untermauern konnten.
Um die Chain of Custody auf Produktebene einzuhalten, müssen unsere Konfektionäre unserem Einkauf zu jedem Produkt ein Transaktionszertifikat nachweisen. Das Transaktionszertifikat wird von einer externen, unabhängigen Zertifizierungsstelle ausgestellt und garantiert die Menge der Bio-Baumwolle im Produkt. Ein Transaktionszertifikat kann nur ausgestellt werden, wenn alle Stakeholder in der Lieferkette eines Kleidungsstückes mit Bio-Baumwolle ein Transaktionszertifikat an ihren jeweiligen Kunden ausgestellt haben. Die Einholung und Kontrolle der Transaktionszertifikate ist im Gegensatz zu Better Cotton ein höherer Aufwand, schafft aber auch die Möglichkeit, Bio-Baumwolle direkt am Produkt ausweisen zu können.“

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Schritte zum Einsatz von Biobaumwolle?

„Der erste Schritt ist, sich mit den Standards vertraut zu machen, die genauen Vorgaben und Unterschiede zu kennen. Diese Infos sind öffentlich auf den Webseiten der Standards zugänglich.
Im nächsten Schritt gilt es gemeinsam mit dem Design und Einkauf zu überlegen, welche Produkte aus Bio-Baumwolle hergestellt werden sollen. Produkte mit einer längeren Lieferzeit oder „NOOS“ (Never Out of Stock)-Artikel bieten sich hier besonders an. Die Wahl des Lieferanten ist eng an das Produkt gekoppelt, idealerweise hat der Konfektionär bereits eine Zertifizierung mit einem Bio-Baumwollstandard.
Sollte noch keiner der Konfektionäre zertifiziert sein, gilt es in Schritt drei, dem Lieferanten die Infos über die jeweiligen Standards gut verständlich zur Verfügung zu stellen und bei der Auswahl einer externen Zertifizierungsstelle zu helfen. Auch diese sind auf den Webseiten der Standards veröffentlicht. Ein enger Austausch mit dem Lieferanten während der Zertifizierungsphase ist wichtig, um Hilfestellung und Unterstützung zu leisten.
Zu den oben genannten Schritten ist es zudem wichtig, die Kollegen in der Beschaffung, im Design und der Produktentwicklung ausreichend über Bio-Baumwolle, Standards und Prozesse zu informieren, sodass die an die Lieferanten übermittelten Informationen konsistent sind. Bei Esprit führen wir deshalb regelmäßig Trainings zu nachhaltigeren Materialien durch.“

Kristina Seidler-Lynders, Environmental Sustainability Manager, Esprit Europe Services GmbH