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Beschwerden aus gemeinsamen Fabriken effizienter bearbeiten

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Aktuelles
22.09.2022

Beschwerden aus gemeinsamen Fabriken effizienter bearbeiten

amfori, Fair Wear und das Bündnis für nachhaltige Textilien verstärken ihre Zusammenarbeit, um Beschwerden von Arbeiter*innen aus gemeinsamen Fabriken verschiedener Mitgliedsmarken effizienter adressieren zu können.

Das UN Office of the High Commissioner for Human Rights (OHCHR) empfiehlt in seinem OHCHR Accountability and Remedy Project III nachdrücklich, dass „die Betreiber nicht-staatlicher Beschwerdemechanismen proaktiv und konstruktiv miteinander zusammenarbeiten sollen, um die Standards anzuheben und bewährte Verfahren zur Beilegung von Beschwerden im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen“ zu fördern.

Viele Modemarken und -händler schließen sich (Multi-Stakeholder-)Organisationen wie amfori, Fair Wear und Textilbündnis an, die sich um bessere Arbeitsbedingungen in Lieferketten bemühen, unter anderem indem sie (außergerichtliche) Beschwerdemechanismen in Lieferketten einrichten.

Oft beziehen verschiedene Modeunternehmen ihre Produkte von denselben Zulieferern. Das wollen amfori, Fair Wear und das Textilbündnis mit der neuen Kooperation gezielt nutzen. Sie tun sich zusammen, um Beschwerden, die solche gemeinsamen Fabriken („shared factories“) betreffen, besser zu adressieren, Ressourcen zu bündeln und Überschneidungen zu vermeiden. Ziele der Kooperation sind unter anderem

  • die Unterstützung der Mitgliedsmarken und ihrer Zulieferer bei der Lösung von Beschwerden
  • die Angleichung von Ansätzen und Standards
  • eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den
  • ein besserer Zugang zu Rechtsmitteln für Arbeiter*innen

Im Einklang mit den Empfehlungen des OHCHR soll diese Kooperation auch dazu beitragen, die koordinierte Zusammenarbeit zwischen den Anbietern von Beschwerdemechanismen zu erproben, Synergien zu identifizieren und die Bearbeitung von Beschwerden branchenweit anzugleichen.

Die Kooperation der drei Organisationen soll keine bestehenden BM ersetzen. Sie soll vielmehr ein zusätzliches Instrument sein, das immer dann greift, wenn Beschwerden aus gemeinsamen Fabriken von einem kooperativen Verfahren profitieren können – unabhängig davon, über welchen Kanal und welche Organisation die Beschwerde eingeht. Davon erhoffen sich die Partner auch, dass Betroffene durch die gebündelte zusätzliche Unterstützung effizienter Abhilfe erhalten.

Dieser neue Ansatz wird ab September 2022 für ein Jahr erprobt. Danach werden die Erkenntnisse und Rückmeldungen aus dem ersten Jahr Grundlage für die Bewertung und etwaige Anpassungen bilden.

Fair Wear verfügt über langjährige Erfahrung im Umgang mit Beschwerden: Den Fair Wear-Beschwerdemechanismus können Arbeiter*innen in vielen Ländern nutzen. amfori hat vor Kurzem seinen Beschwerdemechanismus, das Speak for Change Programme, in Vietnam eingeführt und ist dabei, diesen auch in anderen Ländern zu etablieren. Das Textilbündnis hat zwar keinen eigenen Beschwerdemechanismus, fördert aber die Mechanismen anderer Organisationen und unterstützt durch gemeinsames Engagement, den Zugang zu Beschwerdemechanismen und zu Abhilfe für Beschäftigte entlang der Lieferketten seiner Bündnismitglieder zu verbessern.

Die drei Organisationen freuen sich darauf, diese neue Initiative zur starten, um bessere Arbeitsbedingungen in der Lieferkette ihrer Mitglieder zu fördern und Erfahrungen für eine stärkere Harmonisierung der Branche beim Zugang zu Abhilfe zu sammeln.

amfori, Fair Wear und das Textilbündnis laden andere gleichgesinnte Organisationen ein, sich anzuschließen und die der Kooperation zugrunde liegende Absichtserklärung ebenfalls zu unterzeichnen.