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Arbeitstreffen 2021

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Aktuelles
08.11.2021

Endlich wieder ein Treffen in Präsenz, neue Kontakte knüpfen und alte Bekannte wiedersehen!

Zumindest zum Teil, denn das diesjährige Arbeitstreffen des Bündnisses für nachhaltige Textilien fand am 27. Oktober hybrid statt. Im KOMED in Köln trafen sich rund 60 Vertreter*innen der Bündnismitglieder, zusätzlich wählten sich bis zu 30 Personen online in die Workshops und zwei Sessions im Plenum ein.
Überarbeiteter Review-Prozess: Erfahrungen und Erwartungen

Bei der Begrüßung ging der Leiter des Bündnissekretariats Jürgen Janssen auf Erfahrungen und Erwartungen im diesjährigen Review-Prozess ein. Durch die Anpassung auf der Grundlage der Empfehlungen der OECD stehen nun die unternehmerischen Sorgfaltspflichten noch klarer im Mittelpunkt der Betrachtung. Der Zweck des Review-Prozesses sei es, dass Unternehmen darstellen wie sie ihrer individuellen Verantwortung nachkommen und dass sie dazu strukturierte Unterstützung erhalten.

Ein zentraler Aspekt dabei sei der Perspektivwechsel bei der Risikobetrachtung. Standen vormals in erster Linie ökonomische Risiken für das eigene Unternehmen im Mittelpunkt, gehe es nun vielmehr um die Frage, welche Risiken die eigene Geschäftstätigkeit bei anderen Akteuren in der Lieferkette und für die Umwelt verursacht.

Darüber hinaus müsse man schauen, wie gut sich der Review-Prozess im Textilbündnis mit gesetzlichen Anforderungen wie dem im Juni beschlossenen Lieferkettensorgfaltsgesetz decke. Dazu stehen unter anderem Konsultationen mit dem für die Prüfung zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) an. Janssen ist sich dennoch schon jetzt sicher: „Der Review Prozess ist eine gute Grundlage zur Erfüllung künftiger Anforderungen.“

Grußbotschaft der Parlamentarischen Staatssekretärin im BMZ, Dr. Maria Flachsbarth

Aus Berlin war die geschäftsführende Parlamentarische Staatssekretärin des BMZ, Dr. Maria Flachsbarth zugeschaltet. Auch sie ging auf den Review-Prozess ein, der gerade während der Pandemie und weltweiten Krise herausfordernd sei: „Ich freue mich sehr, dass sich viele von Ihnen dieser anspruchsvollen Prüfung gestellt haben. Der Review-Prozess sorgt für Transparenz und Verbindlichkeit und ist eine Erfolgskontrolle. Sie gehen mutig voran und zeigen, dass Sie Verantwortung nicht nur übernehmen wollen, sondern es letztendlich auch nachprüfbar tun. Dafür mein großer Respekt und großer Dank. Ich bin überzeugt, dass ihre Mühe lohnt.“

Zum Ende der Legislatur bedankte sie sich auch für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren und unterstrich, wie wichtig es ist, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenarbeiten. Denn nur gemeinsam könne es gelingen, inakzeptable Zustände wie Hungerlöhne, Kinderarbeit und Umweltzerstörung zu verbannen: „Wenn es das Textilbündnis nicht gäbe, müsste man es erfinden. Und wenn wir es 2014 nicht erfunden hätten, wären wir heute nicht da, wo wir sind. Wir sind miteinander gut vorangegangen, haben die Notwendigkeiten und Zeichen der Zeit erkannt und sind deshalb im Textilbereich weiter als in anderen Branchen.“

Es heißt nicht umsonst Arbeitstreffen – sechs Workshops zu den verschiedenen Bündnisthemen

Wie in den Vorjahren arbeiteten die Mitglieder auch bei diesem Arbeitstreffen an den Bündnisthemen. Auf der Agenda standen unter anderem Workshops zu geschlechtsspezifischer Gewalt, Klimaschutz, Einkaufspraktiken, Lieferkettentransparenz und nachhaltiger öffentlicher Beschaffung.

Großes Interesse bestand auch am Panel mit Jorge Conesa (Policy Manager at Fair Trade Advocacy Office) und Baptiste Carriere-Pradal (Chair des Policy Hub) zu Entwicklungen auf EU-Ebene. Die beiden Experten gingen untern anderem auf die EU-Strategie für Textilien ein, die darauf abzielt, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Innovation in der Textil- und Bekleidungsbranche zu stärken, den EU-Markt für nachhaltige und kreislauffähige Textilien anzukurbeln, Fast Fashion zurückzudrängen und neue Geschäftsmodelle zu fördern. Erreicht werden solle dies durch eine Reihe von Maßnahmen, darunter eine Initiative für nachhaltige Produkte und die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility).

Auch die Diskussion um verbindliche Anforderungen hinsichtlich unternehmerischer Sorgfaltspflichten kam zur Sprache. Ein mögliches Lieferkettengesetz auf EU-Ebene würde Unternehmen dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre negativen Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit in ihren eigenen Betrieben und in ihrer Wertschöpfungskette anzugehen, indem sie relevante Risiken identifizieren, Maßnahmen zur Prävention ergreifen und negative Auswirkungen abmildern.

Textilbündnis-Mitglieder finden die Nachlese-Unterlagen (Protokolle, Workshop-Aufzeichnungen, Fotos) im geschlossenen Mitgliederbereich.